Sterne, Bücher, Filme

Es gibt nicht wenige Fische, Jungfrauen, Löwen, die Bücher verkosten, verspeisen, verschlingen. Des Abends noch ein guter Film, und sie genießen ein harmonisches Leben in vollen Zügen. 

Aber: Welches Buch paßt zu mir? Was liest die Waage, versunken im kuscheliegen Sessel, was der Steinbock am Ufer des rauschenden Flusses? Und schließlich: Welches Movie zieht sich der nimmermüde Stier noch vor dem Schlafengehen rein? 

Hier sind die Antworten!


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Für den tiefgründigen Skorpion - 24. Oktober bis 22. November

♏️ Der Skorpion liest nicht, er verschlingt Bücher – gilt es doch, des Daseins Zweck und Ziel zu ergründen, auch mit Texten. Dabei trennt er – wie es seinem Wesen entspricht – sehr schnell die Spreu vom Weizen, dringt rasch zum Kern der Sache (und der Menschen) vor und erkennt flugs Schwächen und Stärken – nicht immer ganz einfach, weder für ihn noch für die  Bücher noch für seine Mitmenschen. Sein Bücherregal beherbergt demzufolge die Bandbreite dessen, was die Welt so hergibt ... Kitsch und Kunst, Abenteuerliches und Autobiographisches, Technik und Tanz ... je nach Typ.

Die Grünen an der Macht - eine kritische Bilanz

von Ansgar Graw (FinanzBuch Verlag 2019)

Ansgar Graw ist ein ausgewiesener Kenner der politischen Bühne. Er arbeitet mit Fakten und verwischt keine Argumentationsebenen. Vom Wunschdenken befreit, ideologisch entkernt, steht die Grüne Bewegung/ Partei für geringe Politikfähigkeit. Auch stellt sich die Frage nach Empathie und sozialer Verantwortung für die ganze Gesellschaft! Unbedingt lesen! Aus aktuellem Anlaß!

 

Wende 

von  Eva Ladipo, Picus Verlag 2015.   

Den Dingen auf den Grund zu gehen kommt dem Skorpion sehr gelegen! Und so ist der Titel dieses Krimis bereits  Programm: Die abrupte Wende der deutschen Politik hin zum Atomausstieg. Die ersten Jahre der deutschen Nach-Wendezeit im Prozeß des Zusammenwachsens. Die Wende der Stasi mit neuen Aufgaben im internationalen Finanzgeschäft. Schließlich die Wende russischer Außenpolitik hin zu lukrativer Einflußnahme in Deutschland (mit freundlicher Unterstützung der grünen Politik).

Eva Ladipo schreibt einen Krimi der besonderen Art: radikal querdenkend, konsequent und intensiv recherchiert, spannend, nichts für Romantiker des politischen Alltags. Wobei die Frage schon lange im Raum steht (und wohl erst noch sehr viel später beantwortet wird): Welche Personen des öffentlichen Lebens - Politiker, Gewerkschafter, Wirtschaftslenker - haben vor dem Mauerfall 1989 für die Stasi oder russische Geheimdienste gearbeitet?

Eva Ladipo studierte Politische Wissenschaften in Cambridge. Danach schrieb sie Ihre Doktorarbeit über das russische Steuersystem in Sankt  Petersburg. Heute ist sie Journalistin bei der Tageszeitung DIE WELT. 

 

Heinrich Heine: Die Erfindung des europäischen Intellektuellen - Biographie

von Rolf Hosfeld: 

Die Biographie des Journalisten Hosfeld zeigt  Heinrich Heine (der sich selbst als „entlaufenen Romantiker“ bezeichnete) als kritischen Seismographen seiner Zeit und  als einen der ersten Europäer:  Zwischen Nationalismus und Populismus, Restauration und Biedermeier erleben wir einen Schriftsteller, der mit den Vorstellungen, die mit der Romantik im allgemeinen verbunden wird,  gründlich aufräumt. 

Heines Verse aus „Deutschland- Ein Wintermärchen“ sind grade wieder sehr aktuell:

„…Sie sang das alte Entsagungslied

Das Eiapopeia vom Himmel,

Womit man einlullt, wenn es greint,

Das Volk, den großen Lümmel.

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,

Ich kenn auch die Herren Verfasser;

Ich weiß, sie tranken heimlich Wein

Und predigten öffentlich Wasser….“

Der Skorpion mag Wasserprediger gar nicht! 

 

Fermats letzter Satz -  die abenteuerliche Geschichte eines mathematischen Rätsels

von Simon Singh, Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv) 2000.  

Im 17. Jahrhundert notierte der französische Mathematiker Pierre de Fermat, er habe einen "wunderbaren Beweis" dafür gefunden, daß diese Formel des Pythagoras nicht mehr gilt, wenn die Potenz erhöht wird. Leider hat Fermat außer der Randbemerkung nichts dazu hinterlassen, und so haben sich bis 1995 - der Beweisführung durch Andrew Wiles – Menschen unterschiedlichster Provenienz daran gemacht, das mathematische Rätsel  zu lösen. Davon handelt dieses Buch, und es ist atemberaubend spannend –  jedenfalls für den Skorpion, auch wenn er Mühe haben sollte, den  mathematischen Ausführungen bis ins letzte zu folgen - das Buch  entspricht seinem Forschergeist. Zumal dann, wenn es so unterhaltend  daherkommt!

      

Das Lied von Bernadette

von Franz Werfel, Bertelsmann-Lesering 1955.  

Vorstellbar wäre, der Skorpion habe das Buch irgendwo auf einem Trödelmarkt ausgegraben unter einem Haufen anderer Werke, antiquarisch für vier Euro erstanden. Franz Werfel ist nämlich ein Autor, der zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist. So – stellt man sich vor – müssen Romane geschrieben werden: Aus Sprache eine Welt malen. Der Inhalt? – Franz Werfel – auf der Flucht vor den Nazis - kommt Ende Juni 1940 mit seiner Frau nach Lourdes und kann sich dort mehrere Wochen verbergen, bevor die Familie schließlich nach Amerika emigrieren kann. In den Wochen zwischen Angst und Hoffnung legt Werfel ein Gelübde ab: "Werde ich herausgeführt aus dieser verzweifelten Lage und darf die rettende Küste Amerikas erreichen ... dann will ich als erstes vor jeder anderen Arbeit das Lied von Bernadette singen, so gut ich es kann." (Werfel, Franz: Das Lied von Bernadette – Ein persönliches Vorwort, Los Angeles, im Mai 1941. Verlag s.o.). Es ist also die Geschichte von Bernadette Soubirous und den Wundern von Lourdes. Meisterhaft, anrührend und ausgesprochen plastisch erzählt. 

 

⚪️ Der dritte Mann (R/B: Carol Reed/ Graham Greene, GB 1949)

Weil der Skorpion  gut gemachte Spannung mit  präziser Aussage und klarer Haltung liebt.

In diesem Schwarzweiß-Thriller reist ein amerikanischer Autor (Joseph Cotton) in das Wien der Nachkriegszeit zu seinem Freund Harry Lime, gespielt von Orson Wells, um dort bitter erkennen zu müssen, wie skrupellos ein Mensch sein kann. Anton Karas spielt das berühmte „Harry-Lime-Thema“ auf der Zither. Außerdem spektakulär: Die Szene im Riesenrad mit dem legendären Kuckucksuhr-Statement und die Verfolgungsjagd in der Kanalisation. 

Gleichnamiger Roman von Graham Green. 

 

🔴 Die Legende von Bagger Vance (R/B: Robert Redford/ Jeremy Leven, USA 2000)

Weil der Skorpion auch ständig  „auf der Suche nach seinem Feld“ ist. --- Die damals noch relativ unbekannte Charlize Theron spielt die hinreißende Adele, die, um den Golfplatz ihres Vaters vor dem Ruin (Weltwirtschaftskrise) zu retten, die beiden besten Golfer dieser Zeit  für ein Schauturnier gewinnen wird.  Mit von der Partie ist schließlich auch ihr ehemaliger Verlobter, Runnulph Junah (Matt Damon), innerlich   verletzt aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt. Bagger Vance (Will Smith) führt ihn zum Sieg, auch zum privaten. Wunderschöne Bilder von Michael Ballhaus (Kamera) und treffende Musik von Rachel Portman. Ach   ja: Jack Lemon erzählt die ganze Geschichte. Es war übrigens sein letzter Film.   

 

🔵 Billy Elliot  - I will dance (R/B: Stephen Daldry/ Lee Hall, GB 2000)

Weil der Junge sich durchsetzt und seinen Traum vom Fliegen verwirklicht.  Bergarbeiterstreik 1984/85 in Nordengland. Billy, der jüngste Sohn der Arbeiterfamilie Elliot, soll boxen. Aber der nimmt lieber am Ballettunterricht teil. Es kommt wie es kommen muß: Gewaltige Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn! Billy (Jamie Bell) setzt sich durch und bekommt ein Stipendium an der Royal Ballet School in London. 

 

 ⚪️ Das Konzert (R/B: Radu Mihaileanu u.a., Frankreich u.a. 2009)

Weil das „Leben ohne Musik ein Irrtum“ wäre ...  (Nietzsche)   ---   Ein einst sehr berühmter Moskauer Konzertmeister – zur Putzhilfe  degradiert, weil er sich 1980 weigerte, Juden aus seinem Orchester zu  entfernen - sammelt seine ehemaligen Musiker – jetzt Verkäufer oder  Bäcker - zusammen und fährt mit ihnen nach Paris, um dort als  vermeintliches „Bolschoi-Orchester“ mit einer berühmten Violinsolistin  aufzutreten. Ihr Spiel reißt alle mit, und aus den anfänglich noch tastenden und scheinbar stümperhaften Klängen entwickelt sich mitreißende Musik. 20 Minuten lang hat man die Freude, Tschaikowskys  Violinkonzert zu lauschen, während die Geschichte zu Ende erzählt wird. Ein über manche Strecken komödiantischer Film, dann wieder stockt der Atem ob der Dinge, zu denen Menschen fähig sind – im Guten wie im Bösen.

Sarah Nemtanu, eine französisch-rumänische Violinistin, spielt für die Schauspielerin Anne-Marie Jacquet das Violinsololo. 

 

Für den kreativen Schützen: 23. November – 21. Dezember

♐️ „Auf zu neuen Ufern“ – der Schlachtruf des optimistischen Schützen, der nichts so haßt wie Enge – räumliche wie geistige. Reisen gehört zu seinem Wesen, gleichgültig, ob in unbekannte Länder und Gegenden oder in unbekannte Sachgebiete und Themen. Kein Wunder also, daß er mit Elan und Ideenreichtum stets Neues kreiert , ganz egal, was er beruflich oder in seiner Freizeit tut. Alles, was von Aufbruch berichtet oder was seine Kreativität beflügelt, mag der Schütze, das gilt auch für seine Literatur. Die ist also ebenso vielfältig und farbig wie er selbst. 

Die Kunst des guten Lebens: 52 überraschende Wege zum Glück 

von Rolf Dobelli, Piper Verlag München, 2017.                      

Ein toller Werkzeugkasten, möchte man sagen. Und ein Glücksgriff. Rolf Dobelli schreibt überzeugend, klar. Seine Hinweise sind ausgesprochen hilfreich. Für Suchende, vermeintlich Glücklose, für Chaoten oder Ordnungsfanatiker gleichermaßen geeignet, ein Stückchen Weisheit in ihrem Leben platzgreifen zu lassen. Ohne daß Leviten gelesen werden - das Buch erfreut. Und genau das braucht der Schütze: hilfreiche, überraschende neue Sichtweisen, denen er sich in aller Ruhe widmen kann.  

 

In die Wildnis – Allein nach Alaska

von Jon Krakauer, Piper Verlag München, 1997.                            

Der amerikanische Wissenschaftsjournalist Jon Krakauer hat die Geschichte eines jungen „Aussteigers“ auf ebenso nüchterne wie sachkundige und sensible Weise recherchiert und rekonstruiert: Chris McCandless begibt sich, nur mit ein paar Kilo Reis und absolut unzureichender Ausrüstung versehen, im Frühjahr allein in die Tundra von Alaska und findet dort den Tod – nur wenige Meilen von der Zivilisation und von möglicher Rettung entfernt. -  Was der Schütze gut verstehen kann: Den Wunsch, neue Wege zu beschreiten. Er selbst hätte vermutlich aber noch einen Kompaß mitgenommen.

  

How to See – A Guide to Reading Our Man-Made-Environment

von George Nelson, nelson©Jacqueline Nelson/Published by Design Within Reach, San Francisco, California 2006.

Neue Blickwinkel auf Altbekanntes vermittelt das Buch des amerikanischen Architekten, Autors, Designer und   Lehrers George Nelson (1908 – 1986), der zudem ein passionierter Fotograf war. DAS Buch für unseren Schützen!! Er wird viele Anregungen darin finden, die er vermutlich sofort auf seine Weise umsetzen wird.  

 

Billy Wilder

Von Hellmuth Karasek, Hamburg: Hoffmann & Campe 1992.

Sehen Sie gerne „Eins-Zwei-Drei“ oder „Some like  it hot“, „Sabrina“, „Zeugin der Anklage“, „Irma a Douce“ ... ? - Über  60 Filme hat Billy Wilder in gut 50 Jahren gemacht. Er war Regisseur, Drehbuchautor und Produzent, sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet. Sein Erfolgsrezept? – Bestes Handwerk und der folgende, von ihm verfaßte  Grundsatz: „Es gibt drei wichtige Regeln beim Filmemachen: Du sollst nicht langweilen. Du sollst nicht langweilen. Du sollst nicht langweilen.“ Seine Filme langweilen nicht. Karaseks Buch über ihn, über seine Filme, die Schauspieler und Autoren, über Berlin und Hollywood, über den Zeitgeist und wie man ihm am besten begegnet, ist ebenfalls ungemein fesselnd. Der kreative Schütze findet darin viele Anregungen! 

 

⚪️ Die Akte ODESSA (R/B: Ronald Neame/ Kenneth Ross und George Markstein, Musik : Andrew LLoyd Webber, GB/ Bundesrepublik Deutschland 1974.)

Weil der Schütze (fast) alle Romane von Frederick Forsyth mag und dies eine sehr gelungene Verfilmung ist.

Durch einen Zufall erhält der  Journalist Peter Miller das Tagebuch von Salomon Tauber:  Ein Jude, der die Grausamkeiten des Rigaer Ghettos erleiden mußte. Miller vermutet, daß der damalige Lagerkommandant noch lebt und macht sich auf die Suche. Dabei gerät er in die Machenschaften der ODESSA, der Geheimorganisation der ehemaligen SS-Angehörigen. Ein Wettlauf auf Leben und Tod beginnt.

 

🔴 Willkommen bei den Scht'is (R/B: Dany Boon, Charlot, Magnier, Frankreich 2008)

Weil ein Postbeamter den Aufbruch ins Neue wagt, auch wenn's dort kalt ist. Dies ist der zweite Film des französischen Komikers Dany Boon – und er wurde ein Riesenerfolg. Boon spielt in dieser Komödie einen Postbeamten aus Nord-Pas-de-Calais, einem Dorf in Nordfrankreich. Dorthin wird Philippe Abrams, Filialleiter in Salon-de-Provence, versetzt, weil er sich einen begehrten Posten am Mittelmeer mittels Betrug zu erschleichen   versuchte. Scht'is – das sind die Leute, die das Ch'ti sprechen, das wiederum ist ein picardischer Dialekt. Für die Sprechweise in der deutschen Synchronisation "erfand" man einen neuen deutschen Dialekt –   absolut gelungen!      

  

🔵 Tin Cup (R/B: Ron Shelton/ Nouville, Shelton, USA 1996)

Weil der golfende Schütze auch nach zehnmaligem Anschauen noch über den Film lachen kann ... Ein stimmiges Drehbuch, treffende Dialoge und pfiffige Nebendarsteller: Erzählt wird, wie der erfolglose Golfpro Roy McAvoy (Kevin Costner), der auf einer von (putzigen) Gürteltieren befallenen Drivings Range in West Texas lebt, die Lady seines Herzens Dr. Molly Griswold (Renée Russo) gewinnt. Leichtfüßige Unterhaltung, die sozusagen mit einem Schlag gute Laune herstellen kann.  

 

⚪️ Ein Mann zu jeder Jahreszeit (R/B: Fred Zinnemann/ Robert Bolt, GB 1966)

Weil der Schütz sich auch nicht geistig einengen lassen wollte! Sechs Oscars bekam der Film, den British Film Award in sieben Kategorien und den Golden Globe in vier - und noch ein paar andere. Paul Scofield wurde von allen für seine Rolle des Thomas Morus ausgezeichnet. Ein charakterfester Mensch, der seinem inneren Kompaß folgt und sich auch angesichts der Verurteilung zum Tode nicht von seinem als recht erkannten Weg abbringen läßt.

     

Für den aristokratischen Steinbock: 22. Dezember - 20. Januar

♑️ "Noblesse oblige“ – Adel verpflichtet – also gilt es, fleißig zu sein und diszipliniert, zu schaffen und zu machen und zu mehren. Für sich und für seine Lieben. Der Steinbock ist selten gefährdet, sich in seinen Gefühlen zu verirren. Er gebraucht lieber seinen Verstand und seine Fähigkeit, präzise zu denken und klar zu formulieren. Er ist traditionsbewußt und gleichzeitig durchaus unkonventionell. Oberflächlichkeit liegt ihm nicht, das hat er mit dem Skorpion gemein. Pflichtgefühl rangiert vor Müßiggang – siehe oben!  

 

Robin Alexander: Die Getriebenen (2019)

Der Autor: exzellenter Kenner des politischen Berlin, WELT-Journalist. Das Thema: Deutschland 2015, die Flüchtlingskrise, die Entscheidungen der Großen Koalition, Zerwürfnisse und politische Übereinstimmungen im Detail. Die besondere Bedeutung von Meinungsforschungs-Instituten im Kontext der Krise und ihre grundsätzliche Bedeutung für die aktuelle schwarzrote Politik. Ein Buch über Intrigen, Manöver und das Durchwursteln in prekären Situationen. Über moralische Ansprüche und Verantwortung. Ein Polit"thriller". Den der Steinbock verschlingen wird.  

 

Königliche Hoheit

von Thomas Mann, S. Fischer 2004

Vermutlich hat Thomas Mann diesen (seinen zweiten) Roman für den Steinbock geschrieben: Denn nach dem Leitsatz „Noblesse oblige“ muß die junge „Königliche Hoheit“, der Prinz Klaus Heinrich des fiktiven Kleinstaates Grimmburg, seine Repräsentationspflichten erfüllen, ohne je mit dem „wirklichen Leben“ so richtig in Berührung gekommen zu sein. Obwohl er sich Zeit seines jungen Lebens danach sehnte. In das  hoch verschuldete Grimmburg kommt eines Tages Mister Spoelmann, Millionär aus den USA,  mit seiner Tochter Imma und Gefolge, letzteres in Gestalt einer etwas verwirrten Gräfin und eines hytserischen Collie. Sie sorgen für die Wende: Für Grimmburgs in Schieflage geratene Staatsfinanzen und für das Lebensglück unserer Königlichen Hoheit. 

 

Stolz und Vorurteil

von Jane Austen, Frankfurt: Fischer 19/2004      

Es ist dies Jane Austens erster Roman, mit dem sie 1796 begann. 16 Jahre vergehen, bis das Buch – anonym, wie alle folgenden – veröffentlicht wird. Jane Austens Stil wird dem  Steinbock gefallen: Die minutiöse und distanzierte Beschreibung des Lebens von Menschen auf dem Lande, die absolut nichts zu tun haben. Mit leiser Ironie werden in diesem Buch die Versuche von Mrs. Bennett geschildert, ihre fünf Töchter unter die Haube zu bringen. Dabei spielt es für sie eine nicht unwesentliche Rolle, über wieviel Pfund im Jahr der jeweilige Heiratskandidat zu verfügen beliebt. Ganz im Gegensatz zu der diesem stellenweise chaotischen Treiben überlegenen Tochter Elisabeth Bennett: Eloquent, elegant und emanzipiert, wie alle Protagonistinnen in Jane Austens Romane – dem Steinbock werden sie wegen dieser Eigenschaften gefallen. 

 

Alles im Griff - eine Business-Soap

von Martin Suter, Zürich: Diogenes 2014  

Der Steinbock wird Martin Suters Stil  mögen. Die Business-Soap ist präzise durchdacht, beruht auf messerscharfen Analysen des mittleren Management-Alltags, und die klare  Formulierung sorgt dafür, daß die Intrigen auch präzise konturiert sind.  So finden sich im Laufe der Nadelstreifenseifenoper auch immer wieder bekannte Gesichter und/oder man begegnet einer vertrauten Situation. Und  man fragt sich, warum Intrigen nicht so leicht zu durchschauen sind,  wenn sie doch mit einer solchen Leichtigkeit beschrieben werden können  ...  

 

🔵 Café Society

Regie: Woody Allen. Drehbuch: Woody Allen. USA 2016. Mit Jeannie Berlin, Jesse Eisenberg und Kristen Stewart. 

Das liebt der Steinbock: Sechsundneunzig Minuten lang eintauchen in die Welt der Schönen und Reichen der dreißiger Jahre. Schauplätze sind der Strand von Malibu, Hollywood, Manhattan (natürlich), eine glitzernde Bar, viel Straß und Geflitter, atemberaubend schöne Damen mit passenden Begleitern, unglaublich schicke Kostüme, Anzüge, Frisuren, Autos, Swimming-Pools und Villen - alles aus der Sicht einer nicht ganz so reichen New Yorker Familie erzählt, immerhin im Aufstieg begriffen. Letzteres ist Ben zu verdanken, einem waschechten New Yorker Gangster mit allen Klischees, die ein Gangster der dreißiger Jahre zu haben hat! Sein Bruder Bobby hingegen ist der naive und sympathische Held, der keinem was Böses tut und vieles richtig macht. Alles begleitet von hinreißender Swing-Musik. Wer sich auf den Film einläßt, wird nach 96 Minuten aufstehen und weitertanzen wollen. Woody Allens neuer Film ist Zitat und Hommage. (2016 lief der Film in Cannes, nun ist er zum Leihen erhältlich).     

 

🔴 Die 12 Geschworenen (R/B: Sidney Lumet/ Reginald Rose, USA 1957)

Weil der Steinbock brillante Formulierungen liebt. 12   Angry Men – so der amerikanische Originaltitel – ist der erste Film von Sidney  Lumet: Die zwölf Geschworenen müssen am Ende eines   Mordprozesses ein einstimmiges Urteil über den achtzehnjährigen Angeklagten fällen. Henry Fonda spielt den Geschworenen Nummer 8, der als einziger zu Beginn des Films von der Schuld des Angeklagten nicht   überzeugt ist – und im Laufe der sechs Verhandlungstage die anderen elf überzeugt, so daß am Ende ein Freispruch steht. Der Film gilt als Paradebeispiel für Gruppendynamik. Brillante Dialoge und exzellente   schauspielerische Leistung!

      

⚪️ The Kings Speech (R/B: To, Hooper/ David Seidler, GB, USA, AUS 2010)

Noblesse oblige – Adel verpflichtet, auch einen König. Colin Firth spielt den britischen König Georg VI. – vormals Albert, Herzog von York - der mit den unorthodoxen Methoden des australischen   Sprachtherapeuten Lionel Logue vom Stottern geheilt wird. Die Geschichte seiner Therapie ist gleichzeitig auch ein Stück Biographie – vom Herzog  zum König des Britischen Empire 1937 – und auch ein Stück   Radiogeschichte. "The Kings Speech" gipfelt in der Rundfunkansprache des Königs am 3. September 1939 anläßlich der Kriegserklärung Großbritanniens an Deutschland, nach dessen Angriff auf Polen. 

 

🔵 Emma (R/B: Douglas McGrath, USA 1996)

Weil Frau Steinbock nun mal die unkonventionelle Contenance liebt. Jane Austens überaus amüsanter Roman in einer fast zeitlosen Komödie der Herzens-Irrungen und Wirrungen. Gwyneth Paltrow als Emma, Jeremy Northam als Mr. Knightley, Toni Collette gibt Harriet Smith, die zauberhafte Musik ist von Rachel Portman, die dafür einen Oscar bekam! 

 

Für den unabhängigen Wassermann: 21. Januar – 19. Februar

♒️ Also wenn schon die Zeit mit Lesen zubringen – statt, wie es der Wassermann am liebsten hat, in geselliger Runde seinen Tag zu verbringen und Neuigkeiten zu erörtern – dann müssen es Texte sein, die sich den wichtigeren wassermännischen Zielen unterordnen: So zum Beispiel Fahrpläne, um effizient ans Ziel zu gelangen, Testberichte, um kluge Entscheidungen zu treffen, Lesungen, um anschließend mit Gleichgesinnten darüber reden zu können, Magazine und Gazetten, um über alles, was es in der Welt Neues gibt, informiert zu sein. Der Wassermann kann bruchlos Einfaches mit Exklusivem verbinden: Den Gästen Barolo vom Aldi als das Nonplusultra der Weinkultur kredenzen, in der Holzklasse  zu den Bayreuther Festspielen fliegen und sich am Flughafen vom Rolls Royce abholen lassen  - für ihn auch ein Zeichen seiner geistigen Unabhängigkeit, jenseits aller Klischees.

 

Margot Lee Shetterly: Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen (Hidden Figures. The Untold Story of the African-American Women who Helped Win the Space Race, 2016)

2013 gründete Shetterly The Human Computer Project. Das Ziel dieser Organisation ist ein Archiv der Arbeit sämtlicher Frauen, die bei der NACA und NASA gearbeitet haben. Ihr Sachbuch berichtet von diesen hochbegabten afroamerikanischen Mathematikerinnen, die in Langley  maßgeblich zum Erfolg des Mercury- und Apollo-Programms der NASA beitrugen. Ein Buch so recht nach wassermännischem Geschmack: Fakten statt Fiktion. 

 

Karl Jaspers: Einführung in die Philosophie. Zwölf Radiovorträge. Piper 1953.

Nicht jeder Leser ist ein diplomierter Philosoph, aber sehr viele Laien interessieren sich für philosophische Fragen. Für die letztgenannte Gruppe sind Jaspers Vorträge ein hervorragender Anfang, um mit dieser Disziplin Bekanntschaft zu schließen. Auch als Hörbuch erhältlich. Die Radiovorträge sind zwar von 1953, aber die philosophischen Fragen sind zeitlos. Die Antworten schon weniger. Eigentlich ist der Wassermann kein Philosoph - aber dieser Herangehensweise ist perfekt für ihn.  

 

Margret Mitchell: Vom Winde verweht (Gone with the Wind, 1936)

„Die Verfilmung 1939 wurde zum erfolgreichsten Film aller Zeiten. Einst als Trivialliteratur belächelt, wird Mitchells Epos über Glanz und Niedergang des alten Südens zunehmend auch in der Literaturwissenschaft ernstgenommen.“ (Quelle: Wikipeda)

Ob ein Buch zur Weltliteratur wird, entscheidet sich oft erst spät. Der Wassermann liebt auch Schmökern … ab und an …  

 

Ein Gott der Frechheit

von Sten Nadolny, München: Piper 15/1996.  

In der Antike war Hermes der Gott der Kaufleute und Diebe, der  Schutzherr der Redner und Reisenden, dargestellt als Götterbote mit Flügeln an Helm und an Sandalen. In Nadolnys charmantem Roman wird ihm ein besonderes Denkmal gesetzt, hält ihn doch der Schriftsteller „für seinen Spezialgott“. Im Roman betritt Hermes die Gegenwart und trifft auf Helga aus Stendhal. Und nun erkunden sie die Welt und was sie heute so bewegt. Soviel hat sich ja gar nicht verändert ... oder doch? – Jedenfalls entspricht Hermes so ganz dem Geschmack unserer geistig beweglichen Wassermänner und deren angeborener Entdeckerfreude!  

 

⚪️ Casablanca (R/B: Michael Curtiz/ Ph. Epstein, USA 1942)

Begeisterung beim Wassermann: Eine Lovestory mit allen Klischees – jenseits aller Klischees. "Here's looking at you, kid" , der vermutlich bekannteste Satz aus "Casablanca" nimmt Platz 5 der 100 besten Filmzitate ein, der Film selbst liegt in allen möglichen Rankinglisten ganz vorne. Bogie als verletzter, einsamer Wolf, eine hinreißende, (mit einem speziellen Filter vom Kameramann) weichgezeichnete Ingrid Bergmann (Bogie hat zwar den Oscar bekommen, aber Ingrid hätte ihn allemal auch verdient ...) – und viele Nebenrollen, bestens besetzt durch bekannte europäische Schauspieler, die vor dem Naziregime in die USA geflohen waren.

 

🔴 Blondinen bevorzugt (R/B: Howard Hawks/ Charles Lederer, USA 1953)

Weil Loreley Lee auch ein Wassermann hätte sein können. Diamonds Are a Girl's Best Friend (Leo Robin/Jule Styn) ist DER Song aus diesem Film und nimmt Platz 12 der 100 bekanntesten Filmsongs ein.   Darüber hinaus ist es eine spritzige Komödie mit absolut bissigen Seitenhieben gegen eine verlogene Ethik! Sehenswert! 

 

🔵 Some like it hot (R/B: Billy Wilder/ Billy Wilder, I.A.Diamond, USA 1959)

Nobody is perfect – das denkt auch der Wassermann!   Was soll man sagen – noch ein Film der Superlative: Er wird vom American Film Institut als beste amerikanische Komödie aller Zeiten aufgeführt. Tony Curtis, Jack Lemon, Marilyn Monroe und Joe E. Brown als Osgood Fielding III. mit dem berühmten Satz "Nobody is perfect". Auch dieser Film beherzigt die drei wichtigsten Regeln Billy Wilders: "Du sollst nicht langweilen – du sollst nicht langweilen – du sollst   nicht langweilen!" 

 

Für den tanzenden Fisch: 20. Februar - 20. März

♓️ Lesen ist für den Fisch eine Art Lebenselixier: Dort werden all’ die  Welten beschrieben, die sich der Fisch auch noch vorstellen könnte – ohne daß er sich realiter für eine entscheiden müßte. Bücher braucht dieses charmante und nach Harmonie strebende Wesen für seine Phantasie. Das feinsinnige und kunstverständige Wassertier liebt die leisen Töne mit Tiefgang und eher hintergründigem Humor.

 

Honig

von  Ian McEwan,  Zürich: Diogenes 2013.        

Die Geschichte der MI5-Spionin Serena Frome („reimt sich auf Ruhm“) ist  im London zu Beginn der Siebziger Jahre angesiedelt. Mitten im Kalten Krieg also. Und es schadet nicht, wenn man über ein wenig zeitgeschichtliches Hintergundwissen verfügt. Spannend auch, sich das während der Lektüre nach und nach anzueignen. Jedenfalls ist unsere schöne und kluge Spionin mit der Operation „Honig“ betraut: Der britische Geheimdienst möchte Schriftsteller unterstützen, die mit und in ihren Werken ein Gegengewicht zur kommunistischen Ideologie aufbauen können, sie entlarven und entzaubern. Wie weiland George Orwell mit seinem Buch „Farm der Tiere“ etwa. Serena, die viel und ziemlich wahllos liest und demzufolge manchmal auch Realität und Fiktion verwechselt, trifft auf T.H. Haley, den „verklemmten Idioten mit den Henkelohren“ (S.248), in den sie sich verliebt. Und nun beginnt ein Spiel von und mit Spionage, schwebend in den Welten, doppelbödig, trickreich und mit vielen Pointen und britischem Humor. Das gefällt dem Fisch. Im Gegensatz zu Serena sollte man das Buch aber genau lesen, um keine der   Anspielungen und Volten zu verpassen. Und: Man sollte den Schluß wirklich erst am Schluß lesen ... 

 

Einsame Klasse: Das Leben der Marlene Dietrich

vonEva Gesine Baur: 

Marlene Dietrich wurde 1901 in Berlin-Schöneberg geboren und starb 1992 in Paris. Die Autorin schreibt die außerordentlich einfühlsame Biografie einer absoluten Ausnahmekünstlerin, einer sehr disziplinierten und fürsorgenden Frau und einer Persönlichkeit, die sich nicht vereinnahmen und verorten läßt.  Bestens recherchiert und im Kontext mit den politischen und kulturellen Entwicklungen des letzten Jahrhunderts dargestellt: Gleichzeitig ein Geschichtsbuch der anderen Art.

Für unseren kunstinteressierten Fisch fast ein must have. 

 

Tagebuch eines Landpfarrers

von Georges Bernanos: 

Kürzlich sagte  ein junger Mann, daß es die Welt, die man früher kannte (oder zu kennen glaubte), nicht mehr gebe. Wer diesen Roman von Bernanos liest, wird auch eine Welt kennenlernen, die er so vorher nicht kannte - und die eben deshalb zum Verständnis unserer Gegenwart beitragen kann. Dem Fisch werden die meisterhaften Schilderungen und die behutsame Art, Menschen und Zustände zu beschreiben, gut gefallen.

1936 erhielt Georges Bernanos den „Grand Prix du Roman“ der Académie Française. 

 

Längengrad

von Dava Sobel und William J.H. Andrewes, Berlin: Berlin Verlag 1999.   

Längen- und Breitengrade als nautisches Netz zur Orientierung: Noch im Jahre 1707 erlitt General Sir Cloudesley Shovell mit seiner gesamten Flotte vor den Scilly-Inseln Schiffbruch, weil er den exakten Längengrad nicht kannte ... Während die Breitengrade anhand des Sonnenstandes bestimmt werden können, braucht es zur Ermittlung des Längengrades eine  seetüchtige Uhr. Und die wurde von einem schottischen Uhrmacher namens John Harrison entwickelt: 1759 stellte er seine H4 vor, von James Cook 1774/75 auf der Weltumsegelung erfolgreich getestet. – Der Fisch wird  sich sowohl mit der Thematik als auch mit dem stillen Helden Harrison anfreunden. 

 

🔵 Unterwegs mit Jacqueline (im Original: La Vache), Frankreich 2016 - Regie: Mohamed Hamidi, Drehbuch: Alain-Michel Blanc und Fatsah Bouyahmed 

Eine französische Komödie, die in Algerien und Frankreich spielt: Herzerwärmend! Die Kritik schreibt, es sei ein „Feel-Good-Märchen“. Aber wieso muß „Feel-Good“ immer ein Märchen sein, fragt sich der Fisch?

 

🔴 Frau Müller muß weg (R/B: Sönke Wortmann/ Ziegenbalg, Hübner, Nemitz, Deutschland 2015)

Weil der Fisch einen Sinn für hintergründigen Humor hat ... Eltern auf dem Kriegspfad: Frau Müller, die Klassenlehrerin ist schuld, wenn die Kinder schlechte Noten haben und nicht aufs Gymnasium wechseln können! Deshalb muß sie weg!! Eine herrliche Komödie über Gruppendruck  und Gruppendynamit und so ganz nebenbei auch eine Würdigung der Leistungen der Schule – man sollte es nicht glauben ...    

 

⚪️ Anna und der König (R/B: Andy Tennant/ Steve Meerson, USA 1999)

Reizvoll für den Fisch: Eine andere Zeit, eine andere Welt. - Jodie Foster und Chow Yun-Fat bieten als englische Lehrerin Anna Leonowens und König von Siam beste Unterhaltung. Auch wenn Historiker   bezweifeln, die Lehrerin habe eine Rolle im Leben vom König gespielt – der Fisch mag eben auch die Vorstellung von dem, was auch noch hätte sein können. Vorläufer waren übrigens: Anna und der König von Siam (1946), Der König und ich (Musicalverfilmung 1956), Anna und der König von Siam (TV-Serie 1972). Also: So schlecht kann der Plot doch gar nicht sein ...     

 

🔵 Saint-Jacques - pilgern auf Französisch (R/B: Coline Serreau, Frankreich 2005)

Ein Film der leisen Töne, die der Fisch so sehr liebt. -    Ziel ist Santiago de Compostela. Eine Wallfahrt also. Eine ziemlich lange und zudem nicht freiwillig angetretene: Drei Geschwister müssen die Pilgerfahrt auf dem Jakobsweg gemeinsam durchstehen, sonst verfällt das Erbe. Mit von der Partie sind noch sechs weitere Menschen, die sich aus recht unterschiedlichen Motiven der Mühe unterziehen. Natürlich bleiben Reibereien und Streitereien nicht aus: Aber das Road Movie ist beste Unterhaltung! 

 

Für den kraftvollen Widder: 21. März – 20. April

♈️ Das astronomische Jahr beginnt mit dem Frühling, das astrologische mit dem Widder. Beide stehen im Zeichen des Neubeginns, des Aufbruchs, des Vorwärtsstürmens. Der Widder ist ein mutiges Tier. Er liebt jede Art von Herausforderung: Sollten Steine seinen Weg pflastern, räumt er sie fröhlich, unerschrocken und kraftvoll aus dem Weg – und läuft dabei zur Hochform auf. So hat es dieses erste Sternzeichen im Jahreslauf auch ganz gerne, wenn in seinen Büchern heftige Auseinandersetzungen stattfinden, Ansichten und Antipoden aufeinanderprallen, wenn die Protagonisten Helden sind, den Sieg davontragen oder – wenigstens – senkrecht untergehen.

 

Der Meister und Margarita

von Michail Bulgakow, Luchterhand Literaturverlag 2009.      

Rund 12 Jahre schrieb Bulgakow an  seinem Werk, bis er es 1940 beendete. Das Buch war zunächst verboten und  wurde erst 1966 als Fortsetzungsroman in einer Moskauer Zeitschrift – allerdings zensiert - veröffentlicht. Auch etwa um diese Zeit erschien  in der FAZ  das Buch in der deutschen Übersetzung, ebenfalls in Episoden. "Der  Meister und Margarita" ist eine vielschichtige Satire auf das gottlose, absurd-bürokratische Moskau während der Stalin-Ära. Wie in jeder Diktatur verkümmern auch hier Menschen zu Marionetten, beherrschen Angst und Verrat das tägliche Leben. Hoffnung erscheint in der Gestalt des "Meisters", jenes verfolgten Schriftstellers, der die Leidensgeschichte Jesu' auf eine erstaunlich moderne Weise erzählt, und in der seiner mutigen und unerschrockenen Gefährtin Margarita, die einen  Pakt auf Zeit mit dem gefallenen Engel eingeht, um ihren Liebsten zu retten. Genau das richtige Szenario für unseren kraftvollen, unerschrockenen Widder! 

 

 Alles Leben ist Problemlösen. Über Erkenntnis, Geschichte und Politik.

von Karl R. Popper (Piper 1994.)

16 Aufsätze und Reden. Auch  zur Frage der Verantwortlichkeit von Politikern. Und zu Poppers berühmten Satz über die Ideologien unserer Zeit: „Der Versuch, den Himmel auf Erden zu verwirklichen, produziert stets die Hölle.“ 

 Der Widder wird dem vermutlich zustimmen. 

 

Der große Gatsby (The Great Gatsby, 1925)

von S. Fitzgerald. 

Die Geschichte von Jay  Gatsby, der fest daran glaubt, durch Reichtum seine verloren gegangene große Liebe beeindrucken und wiedergewinnen zu können, ist meisterhaft  komponiert und raffiniert erzählt: Nämlich aus der Sicht des an sich von den Geschehnissen und Emotionen nicht betroffenen Nachbarn Nick Carraway – der einzige aus Gatsbys illustrer und teilweise bizarrer Entourage, der sich für den Menschen Jay interessiert. Die Novelle gehört zu den Klassikern der amerikanischen Literatur, nicht zuletzt wegen eines gekonnten Erzählstils und einer geschliffenen Sprache: Ironisch-distanziert, wenn es um die Befindlichkeit der Protagonisten des „Jazz Age“ geht, in vielen Passagen poetisch, im Rückblick sachlich-analysierend. Die Dialoge treffen punktgenau den jeweiligen Charakter des Sprechenden. Es gibt viele Übersetzungen. Ein Vergleich lohnt sich. Den wird der Widder vermutlich gerne in Angriff nehmen. 

 

 Tender|Obst : Vom Apfel bis zur Weintraube

von Nigel Slater  (DuMont)

Anbau, Pflege, Varietäten und Rezepte für 23 Obstsorten. Nigel Slater ist einer der bekanntesten Food-Journalisten der Welt - und man staunt über seine raffinierten Rezepte, mit denen er zurück zum Wesentlichen kommt. Die Fotografien von Jonathan Lovekin machen zusätzlich Appetit und motivieren zum Kochen! Gerade das richtige Buch für Frühling und Sommer und genug Zeit, in der Küche kreativ zu werden.

 

⚪️ Thank you for Smoking (R/B: Jason Reitman, USA 2005)

Ein sprachliches Feuerwerk für den Widder. Das Lexikon des internationalen Films sagt dazu: "Elegant und leicht entwickelte Satire auf Lobbyismus, Politik, Hollywood und die Boulevardpresse, die die unterschiedlichen Zynismen genüsslich vorführt und hintergründig unterhält". Dem ist nichts hinzuzufügen. 

 

🔵 Eins, Zwei, Drei (R/B: Billy Wilder, USA 1961)

Der Widder liebt Feuerwerke – ganz besonders den Säbeltanz mit Lilo Pulver!  Berlin vor dem Mauerbau. Noch während der Dreharbeiten wurde am 13. August mit dem Bau begonnen. Mitten im Kalten Krieg hatte niemand in Deutschland irgendeinen Nerv für Späße dieser Art. Erst viel später wurde diese rasante Satire, voll mit Seitenhieben auf rote und braune Ideologie, zu einem Publikumsrenner. Viele bekannte Namen: James Cagney, Horst Buchholz, Pamela Tiffin, Hans Lothar, Liselotte Pulver, Hubert von Meyerinck, Friedrich Hollaender (Cameo-Auftritt!) als Dirigent einer Kapelle im Hotel ...

 

🔴 In and Out (R/B: Frank Oz/ Paul Rudnick, USA 1997)

Beste Unterhaltung für das Sternzeichen: Ein Feuerwerk an Vorurteilen!  Eine liebenswerte Komödie über einen homosexuellen Englischlehrer, der sich am Tage seiner Hochzeit outet. Kevin Kline, Joan Cusack, Tom Selleck, Matt Dillon, Debbie Reynolds sorgen für beste Unterhaltung! 

 

Für den bedächtigen Stier: 21. April – 20. Mai

♉️ „No net hudle“, würde ein schwäbischer Stier sagen. Zu Hochdeutsch etwa: „Immer mit der Ruhe“. Der Stier ist überzeugt, mit Gelassenheit und Bedächtigkeit ebensoviel zu erreichen wie mit – in seinen Augen – übertriebener Geschäftigkeit. Genießen tut er auch gerne – aber lieber im Kreise seiner Familie und enger Freunde. Mehr Schein als Sein – das ist nicht sein Ding! Wer einen zuverlässigen Menschen sucht, wird bei den Stieren fündig.

 

Stoner

von John Williams, München: DTV 6/2014      

41 Jahre bleibt der Roman vergessen. 2006 stürmt er die internationalen Charts. Erzählt wird in meisterhafter Sprache das unspektakuläre Leben des Hochschullehrers William Stoner. Nach einer in vielerlei Hinsicht kargen Jugend auf einer ärmlichen Farm soll Stoner Agrarwissenschaften studieren, so will es der Vater. Auf dem Campus aber entscheidet er sich für Englische Literatur, auch künftig sein Fluchtpunkt aus der Enge einer kalten Ehe, der er nicht entflieht, trotz einer möglichen Beziehung mit einer anderen Frau. Stoner bleibt Zeit seines Lebens Assistenzprofessor: Eine Intrige verhindert seine weitere Karriere. Vielleicht liegen darin die Faszination und der spektakuläre Erfolg des Buches: Ein Mann geht unbeugsam seinen steinigen Weg. Erfüllung und Glück findet William Stoner nur sporadisch und partiell. Aber das Wichtigste: Er bleibt sich selbst treu. Das gefällt dem Stier, der nichts so schätzt wie Gradlinigkeit.   

 

Die Entdeckung der Langsamkeit

von Sten Nadolny, München: Piper 26/1992  

„Nadolny und sein John Franklin entdecken die Langsamkeit als menschenfreundliches Prinzip. Man könnte auch sagen: Die Bedächtigkeit, den vorsichtigen Umgang mit sich selber und den Dingen“. So beschrieb Ulrich Greiner (Die Zeit) die Message des Buches, zu lesen auf der hinteren Umschlagseite oben zitierter Ausgabe. Damit ist schon völlig klar, weshalb der Stier dieses Buch lieben wird. Es geht in diesem Roman zunächst um das Leben von Sir John Franklin (1786 – 1847), ein Admiral in Diensten der englischen Krone und ein Polarforscher. Und es geht um die Frage der Zeit und den Umgang damit. 

 

Buddenbrooks - Verfall einer Familie

von Thomas Mann, Frankfurt: Fischer 1979  

Der Roman, für den Thomas Mann 1929 den Nobelpreis erhielt, umfaßt eine Zeitspanne von 45 Jahren – von 1871 – dem Jahr, in dem der 1. Deutsche Reichstag gewählt wurde – bis 1914, Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Jahrzehnte der Zeitenwende, des Zerfalls bestehender Strukturen und Ankündigung eines neuen Zeitalters mit neuen Werten, dargestellt an vier Generationen der Lübecker Kaufmannsfamilie Buddenbrook. Der Stier wird diesen Roman in Ruhe lesen, mit Bedacht die brillante Erzählkunst auf sich wirken lassen – und mit dem „Zauberberg“ fortfahren, um auch in der Betrachtung der Zeit fortfahren zu können.  

 

🔵 Diplomatie (R/B: Volker Schlöndorff/ Cyril Gély, FR/ D 2014)

Eben: Mit Beharrlichkeit und fester Überzeugung erreicht man was! Unbeugsam, beharrlich, in fester Überzeugung wird verhandelt – und die Zerstörung von Paris 1944 verhindert. Ungemein spannend.

 

🔴 Good Night and Good Luck (R/B: George Clooney/ Clooney, Heslov, USA 2005)

Der Stier liebt diesen Film: Er schätzt die Gradlinigkeit. Ein Journalist – es ist Edward R. Murrow -  kämpft mit dem Wort gegen den Senator JosephMc Carthy  - und gewinnt letztlich. Basiert auf Tatsachen. Hervorragend: George Clooney als Regisseur.  

 

⚪️ 12 Uhr Mittags (R/B: Fred Zinnemann/ Carl Foreman, USA 1952)

Der standfeste Marshall und das Ende des Films sind was für den Stier!  Noch ein Mann, der seinen Weg geht: Will Kane - Gary Cooper -  stellt sich alleine gegen die Miller-Bande. Nur Amy Kane, die friedensliebende Quäkerin- Grace Kelly - hilft ihm schließlich. Spannend auch: Die Zeit im Film entspricht der Dauer desselben – deshalb auch immer wieder die Uhr ...  

 

Für den vielseitigen Zwilling: 21. Mai – 21. Juni

♊️ Lebhaft, voller Ideen, neugierig, gegenwartsbezogen, interessiert, wach – das alles kennzeichnet den Zwilling. Ein immer spannender Gesprächspartner, denn er ist in vielen Themen zuhause. So sollte auch seine Literatur sein: Vielseitig und informativ, um den stets vorhandenen Wissenshunger zu stillen. Nicht Stillstand, sondern Bewegung ist sein Element, deshalb auch Bücher, die von (positiver) Veränderung künden und die Dinge des Lebens auf vielfältige Art betrachten.

 

Wie soll ich leben? oder Das Leben Montaignes in einer Frage und zwanzig Antworten.

von Sarah Bakewell: C.H. Beck 2016.

Natürlich kann man die berühmten Essais des bedeutendsten Philosophen der französischen Renaissance auch im Original lesen oder wenigstens in einer guten Übersetzung. Alle anderen erhalten mit diesem geistreichen Buch der englischen Philosophin Sarah Bakewell eine wunderbare Einführung in Thematik und Zeit. Dem Zwilling wird die Vielseitigkeit gefallen … 

 

Underground Railroad (Underground Railroad, 2016)

von Colson Whitehead.

Wer dachte, er habe alles über die Sklaverei und die Stellung der Schwarzen in Amerika gewußt, wird durch dieses Buch eines besseren belehrt. Der Roman ist Aufarbeitung, Abrechnung und Aufklärung zugleich - genau das richtige für den vielseitig interessierten Zwilling. Colson Whitehead ist Gewinner des in den USA überaus bedeutenden und begehrten Pulitzer-Preises 2017.  

 

Der menschliche Makel (The Human Stain, 2000)

von  Philip Roth 

Ein sprachliches Meisterwerk und eine Parabel über Scheinheiligkeit, fleischgewordene Empörtheit und verlogenes Moralisieren. Roth hält einer Gesellschaft den Spiegel vor, die im Namen der Political Correctness den demokratischen Diskurs unterdrücken will. Wer meint, das träfe nur auf Amerika zu, der irrt gewaltig.

Das Buch liefert spannenden Diskussionsstoff für den Zwilling und seine Freunde. 

 

⚪️ Verstehen Sie die Béliers? (R/B: Eric Lartigau/ V. Bedos, Carré de Malberg, Frankreich 2014)

Das braucht der Zwilling: einen Film voller Bewegung und positiver Veränderung! Ein leicht daherkommender Film mit allesamt liebenswerten Menschen, aber kein leichtes Thema – gehörlose Eltern und Paula, die hörende Tochter, gespielt von Louane Emera, die für den Film die Gebärdensprache studierte. Ein harmonisches und fröhliches Leben auf dem Land – bis Paulas Talent für Gesang entdeckt wird und sie ein Stipendium für Paris angeboten bekommt ... Louane Emera gewann 2015 als beste Nachwuchsdarstellerin den César.    

 

🔴 Der Teufel trägt Prada (R/B:David Frankel/ Aline Brosh McKenna, USA 2006)

Der Zwilling läßt sich auch nicht gerne auf der Nase herumtanzen. Als Vorlage diente das gleichnamige Buch von Lauren Weisberger, die vielleicht sogar aus eigener Erfahrung als Assistentin von Anna   Wintour, Chefredakteurin von Vogue erzählt. Im Film heißt die überaus dominante und (meist) unterkühlte Chefredakteurin Miranda Priestly, gespielt von Meryl Streep, und ihre Assistentin ist Andy Sachs (Anne   Hathaway), frisch von der Uni und mit intellektuellem Dünkel ausgestattet. Einmalig die Szene, in der Miranda ihrer neuen Assistentin klarmacht, welche Bedeutung exklusive Designermode, entworfen für wenige, für tragbare und ansprechende Kleidung für viele hat. Hinreißende Kostüme und beste Kamera von Florian Ballhaus. Wie man liest, soll Anna Wintour übrigens zur Premiere des Films gekommen sein – gekleidet in Prada ...   

 

🔵 Das Leben der Anderen (R/B: Florian Henckel von Donnersmarck, Deutschland 2006)

Weil dieses Sternzeichen gerne hinter die Kulissen schaut. Ostberlin 1984. Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (Ulrich Mühe) erhält den Auftrag, belastendes Material gegen einen Schriftsteller (Sebastian Koch) zu sammeln und richtet auf dem Dachboden des Hauses, in dem der Dramatiker mit seiner Lebensgefährtin (Martina Gedeck) lebt, eine Abhöranlage ein. Durch die Bespitzelung wird Wiesler Zeuge von freiem Denken, ist schließlich selbst fasziniert vom Gedanken an Freiheit – und handelt danach. Vielfach ausgezeichnet – und natürlich vielfach von den Ewiggestrigen kritisert – nachzulesen z.B. auf Wikipedia. 

 

Für den empfindsamen Krebs: 22. Juni – 22. Juli

♋️ Der Krebs schätzt oftmals Harmonie mehr als Karriere. So läßt er sich also nicht von äußerlichen Attributen leiten, sondern vertraut vielmehr seiner mentalen Stärke, die ihm den richtigen Weg weist. Er liebt ein schönes Heim, vertraute Menschen, die man verwöhnen kann, vergißt niemals Wurzeln und Bindungen, mag echte Freundschaften, hat Sinn für hintergründigen Humor, Küche und Kunst, Architektur und Design und haßt alles Oberflächliche.

 

Mon cher Albert. Fußball war unsere Leidenschaft: Ein Brief an Albert Camus

von Abel Paul Pitous.

Algier in den Zwanzigerjahren: Zwei Schulfreunde - Albert und Popaul - mit der gemeinsamen Leidenschaft für Fußball. Abel Paul Pitous verliert seinen Freund 1931 aus den Augen. Erst 1971, elf Jahre nach Camus’ Tod, erfährt er von dessen schriftstellerischer Bedeutung - und schreibt ihm einen Brief … eine sehr einfühlsame Geschichte für den Krebs. 

 

Das Café der Existenzialisten: Freiheit, Sein und Aprikosencocktails.

von Sarah Bakewell. C.H.Beck 2017. 

Der Existenzialismus als eine philosophische Strömung feiert zur Zeit eine Renaissance: Bakewells leicht zu lesende Einführung in die Gedanken der französischen Existenzialisten ist ein wunderbarer Anfang für vertiefende Studien, z.B. zu den gegensätzlichen Positionen von Jean Paul Sartre und Albert Camus - auch wenn die Autorin offenbar Sartre bevorzugt. Ein Buch für die mentale Seite des Krebses. 

 

Das geheime Band zwischen Mensch und Natur: Erstaunliche Erkenntnisse über die 7 Sinne des Menschen, den Herzschlag der Bäume und die Frage, ob Pflanzen ein Bewußtsein haben

von Peter Wohlleben.

„Wir verwechseln Plantagen mit dem Wald“ und „im Moment wird alles auf den Klimawandel geschoben“, sagt Peter Wohlleben in einem Interview mit der „WELT“ vom 7.9.2019, um dann darzulegen, daß der besorgniserregende Zustand der „Baumplantagen“ vielschichtigere Ursachen hat. In seinem neuen Buch setzt er sich differenziert und wie immer fachlich fundiert mit der Rettung des Waldes auseinander und entwickelt einleuchtende, aber keine einfachen und für manche unpopuläre Lösungen. Das Thema interessiert den Krebs vermutlich sehr - es geht um Harmonie im weitesten Sinne. 

 

Das lyrische Stenogrammheft – Gedichte aus der Welt der Großstadt

von Mascha Kaléko, Hamburg: Rowolth 2007.

Mascha Kaléko (1907-1975) veröffentlichte ihre Gedichte in der „Vossischen Zeitung“ und im „Berliner Tageblatt“ über Jahre hinweg. 1933 erscheint ihre Gedichtsammlung „Das lyrische Stenogrammheft“ als Buch und fällt kurze Zeit später den Bücherverbrennungen der Nazis zum Opfer. Marcel Reich-Ranicki schreibt über sie: „Ihre Heiterkeit ist munter, aber ernst und elegisch, ihre Schwermut in der Regel ganz leicht, sogar keck und scherzhaft.“ (Aus: “Zur Heimat erkor sie sich die Liebe“ von Marcel Reich-Ranicki, 08. April 2009 FAZ.Net) 

 

🔴 Monsieur Claude und seine Töchter (R/B: Philippe de Chauveron, Frankreich 2014)

Der Krebs wird den hintergründigen Humor mögen! Eine streng katholische Familie mit vier Töchtern: Drei sind schon verheiratet, eine mit einem jüdischen Geschäftsmann, die andere mit einem muslimischen Rechtsanwalt, die dritte mit einem chinesischstämmigen Banker. Die Vierte überrascht mit der Ankündigung, einen Katholiken ehelichen zu wollen ... Wieso sich daraus nun Turbulenzen entwickeln, das muß man einfach gesehen haben! Viel Kritik mußte der Film einstecken: Zu oberflächlich sei er, hieß es. Ach ja: Unsere altbekannten Schwierigkeiten mit Komödien ...   

 

⚪️ Ruhm (R/B: Isabel Kleefeld, Deutschland 2012)

DAS Thema für den Krebs: Wieviel Ruhm verträgt man? Daniel Kehlmann hat den Episodenroman geschrieben, und es ist sehr hilfreich, ihn vorher gelesen zu haben, einfach, damit man sich schon mal mit den Personen und deren ineinander verwobenen Geschichten an den unterschiedlichsten Schauplätzen vertraut macht. Immer geht es um die Frage von Identität, Zufall und Schicksal. Ein raffinierter Plot, hat was Spielerisches und könnte auch so etwas wie ein Werkstattroman sein.    

 

🔵 Notting Hill (R/B: Roger Michell/ Richard Curtis, GB + USA 1999)

Da freut sich der Krebs: Weil Liebe über Karriere siegt (vermutlich) ... Ein berühmter Filmstar (eine ganz bezaubernde Julia Roberts) trifft auf einen jungen Buchhändler, einen schüchternen und recht normalen Mann (Hugh Grant). Wie sollen die beiden zusammenkommen? – Wird nicht verraten, klappt aber letztlich gut. Beste Unterhaltung, beste Schauspieler, treffende Nebenrollen! Rotten Tomatoes – eine Internet-Plattform, die Rezensionen sammelt – hat bei 98 Kritiken insgesamt für diesen Film 81 positive gezählt! Jetzt sind es 82! 

 

Für den mächtigen Löwen: 23. Juli – 23. August

♌️ Löwen halten es gerne Mit Oscar Wilde, der da sagte: „Ich habe einen ganz einfachen Geschmack – ich bin immer mit dem Besten zufrieden.“ Halbe Sachen mag dieses selbstbewußte Tier nicht. Was der Löwe macht, will er richtig machen, und die Palette seiner Aktivitäten ist breit gefächert: Wichtig für ihn ist: kreativ sein zu können, unabhängig denken zu dürfen und selbständig etwas aufzubauen. Andere kann er durch seine Lebensbejahung, seine Überzeugungskraft und seinen Optimismus mitreißen. Weggefährten schätzen sein großes Herz. Er schätzt Bücher, die Grenzen überschreiten. Voilá: Zwei recht unterschiedliche Grenzgänge ...

 

Nikolaikirche

von Erich Loest, München: dtv 1/1997.

Werner Schulz sagte in seiner Trauerrede zum Tod von Erich Loest: „Erich Loest hat das verkörpert, was Václav Havel so treffend mit dem Versuch, in der Wahrheit zu leben beschrieben hat und Ernst Bloch den aufrechten Gang nannte. Menschen wie ihm, die es wagten, der SED-Ideologie zu widersprechen und widerständig zu leben und für diese Haltung ihre Freiheit riskierten, verdanken auch wir unsere spät gewonnene Freiheit.“ Ein Grund mehr, seinen Roman „Nikolaikirche“ nach 25 Jahren Wiedervereinigung zu lesen. Das Buch ist den mutigen Leipzigern gewidmet, die die Initialzündung zum gewaltlosen Umsturz der DDR-Diktatur gaben. Erzählt werden die Ereignisse von 1985 bis zum Herbst 1989, als die Menschen mit ihren Friedensgebeten und Montagsdemonstrationen den Fall der Mauer und die Wende bewirkten. 

Für den Löwen auch eine Hommage an alle, die das unabhängige Denken schätzen und sich in ihrem für richtig erkannten Weg nicht beirren lassen. Daß mit der Geschichte, die in „Nikolaikirche“ erzählt wird, sogar Mauern fallen, schätzt er besonders. 

 

Gödel, Escher, Bach – ein Endloses Geflochtenes Band - GEB

von Douglas R. Hofstadter (Gödel, Escher,   Bach – An Eternal Golden Braid, 1979), Stuttgart: Klett-Cotta 1985; Neuauflage bei Dtv 1992. California 2006.  

Für dieses Buch erhielt Hofstadter gleich mehrere Preise: 1979: National Book Critics Award für Nonfiction. 1980: Pulitzer Preis für General Nonfiction. 1980: American Book Award. Die Grenzgänge, denen der Löwe in Hofstadters Buch sicher sehr interessiert folgen wird, führen durch Bachs Musik, Eschers Zeichnungen, Gödels mathematischen Sätzen, decken vergleichbare Gesetzmäßigkeiten einzelner Disziplinen von Natur- und Geisteswissenschaften auf und versuchen, dem menschlichen Denken auf die Spur zu kommen. Ein Buch für geistige Abenteurer. „Sapere aude“, kann man da mit Horaz nur sagen ... 

 

Der nackte Berg; Nanga Parbat – Bruder, Tod und Einsamkeit

von Reinhold Messner, München: Piper 6/2008.  

Ein Grenzgänger anderer Art: Reinhold Messner, Pionier eines neuen Verständnisses von Bergsteigen „by fair means“, wie er es selbst nennt. Mit offenem Visier geht er auch dieses Buch wieder an, läßt teilhaben an seinen „Gratwanderungen“. Der Löwe wird daraus Nutzen ziehen: Sowohl hinsichtlich der Thematik „Herausforderung“ als auch der Einblicke in menschliche Verhaltensweisen, die häufig die bergsteigerischen Grenzgänge übersteigen.  

 

⚪️ Nanga Parbat (B/R: Joseph Vilsmaier/ R. Klooss, S. Severin, Beratung Reinhold Messner, D 2010)

Der Film zum Buch, Gänsehaut inclusive für den gebannten Löwen. Für Vilsmaier-Fans u.a.  Herbstmilch (1988), Comedian Harmonists (1997), Bergkristall (2004) 

 

🔴 Django unchained (R/B: Quentin Tarantino, USA 2012)

Alles für die Freiheit! - Ein Wahlspruch des Löwen! Freunde des Italowestern, Fans von Klaus Kinski, Bewunderer der Wagner'schen Siegfried-Version, Liebhaber der guten alten Karl-May-Romane – sie alle werden in diesem rasanten Tarantino-Streifen auf die eine oder andere Weise an ihre favourites erinnert. Auch der Soundtrack ist voller Anspielungen und liest sich ebenso variantenreich wie die Story: Ennio Morricone natürlich, dann Luis Bacalov, aber auch Verdi, Beethoven, Johnny Cash – um nur einige zu nennen. Mehrere Auszeichnungen, darunter je ein Oscar für Christoph Waltz (Nebendarsteller) und Quentin Tarantino (Drehbuch) sowie Nominierungen für Kamera und Ton.  

 

🔵 Welt am Draht (R/B: Rainer Werner Fassbinder/ Fassbinder, Scherz, Kamera: Michael Ballhaus, Titelmelodie "Albatros" von Fleetwood Mac, D 1973)

Eine virtuelle Grenzüberschreitung, eben virtuell und somit beruhigend für den Löwen. Rainer Werner Fassbinder drehte 1973 diesen zweiteiligen Fernsehfilm nach dem Science-Fiction-Roman von Daniel F. Galouye aus dem Jahre 1964 (Originaltitel: Simulacron 3). Er wurde 1973 im Ersten Programm (ARD) ausgestrahlt, danach war er 37 Jahre nirgendwo mehr zu sehen. Erst 2010, auf der Berlinale, kam es zu einer – durch Michael Ballhaus - restaurierten Welturaufführung. Vordergründig ist "Welt am Draht" ein ungemein spannender Thriller, in dem es um Manipulation und Korruption geht, im Kern werden aber existenzielle Fragen nach Identität und Wahrnehmung von Realitätsebenen berührt. Die Besetzungsliste verzeichnet u.a. Klaus Löwitsch, Barbara Valentin, Ingrid Caven, Ivan Desny, Rainer Langhans, Eddie Constantine, Mascha Rabben, Christine Kaufmann, Bruce Low, Günter Lamprecht, Walter Sedlmayr, Adrian Hoven ... jede einzelne noch so kleine Rolle ist ungemein prägnant besetzt. Hinzu kommt eine Kameraführung, die alles verfremdet und die jeweiligen "Welten" wie in einem Spiegel erscheinen läßt  ... 

 

Für die ordnende Jungfrau: 24. August - 23. September

♍️ Die Jungfrau muß man mitunter zur Ruhe zwingen, denn sie liebt keinen „Müßiggang“ – so würde dieses Tierkreiszeichen vermutlich jenen Zustand beschreiben, in dem andere die Füße hochlegen ... sie verfügt über einen klaren Verstand und beste analytische Fähigkeiten, die sie befähigen, Ordnung in die Dinge zu bringen. Sie braucht Bücher, die sie fesseln, ihren Forschergeist beflügeln – und es müssen ordentlich recherchierte und in ihren Aussagen wohl fundierte Werke sein.

 

Intrige

von Richard  Harris, München: Wilhelm Heyne 2015.

Die Jungfrau wird dieses Buch nicht so  schnell aus der Hand legen – trotz oder vielleicht gerade wegen der über 600 Seiten ... Warum? Es ist hervorragend recherchiert und authentisch. Erzählt wird die Geschichte eines Justizirrtums und eines der größten Skandale, die Frankreich je erschütterten. So wurde der französische  Hauptmann Alfred Dreyfus, ein jüdischer Elsässer, 1894 vom Französischen Kriegsgericht wegen Spionagetätigkeit zugunsten des Deutschen Kaiserreiches zu lebenslanger Haft verurteilt und auf die Teufelsinsel vor der Küste von Französisch-Guayana verbannt. Der um Dreyfus' Rehabilitierung ringende Chef des Französischen Auslandsgeheimdienstes, Major Marie-Georges Picquart, sowie Émile Zola und viele andere, authentische Personen der Zeit, Sachwalter des jüdischen Offiziers und Intriganten des  Militärkorps, verleihen Robert Harris' Roman eine historische Dichte und Wahrhaftigkeit, daß dem Leser wiederholt der Eindruck entsteht, die drückende Luft der Pariser Gassen, das fanatische  Geschrei des  antisemitischen Pöbels, die schmierige Intriganz arroganter Militärs unmittelbar zu erleben. 

 

Scott und Amundsen – Dramatischer Wettlauf zum Südpol

von Roland Huntford, Wilhelm Goldmann Verlag 1979.  

Der Wettlauf zum Südpol zwischen dem Engländer Robert Falcon Scott und dem Norweger Roald Amundsen im Jahre 1911 wird hier präzise aufgerollt und packend dargestellt: Mit einer Fülle von Quellen kann der Leser sehr genau nachvollziehen, wie sich beide Expeditionen auf den 1500 Kilometer langen Marsch durch Eis und Kälte vorbereiteten, wie unterschiedlich die Charaktere der beiden Männer Scott und Amundsen waren, von welchen Wertvorstellungen und Zielen sie geleitet wurden, kann also den Erfolg Amundsens und die Tragik Scotts in der ganzen Bandbreite erfassen. Der Jungfrau wird eben diese akribische Aufarbeitung einer der größten Entdeckungsreisen des 20. Jahrhunderts gefallen.  

 

Rotes Gold

Von Tom Hillenbrand, Köln: Kiepenheuer & Witsch 2012.  

Ja, klar – die Jungfrau ist ein geschäftiges Sternzeichen, Nichtstun mag sie nicht. Vorschlag: Sie mit diesem wirklich sehr gut recherchierten und dabei spannenden und unterhaltsamen Krimi von Tom Hillenbrand an den Liegestuhl zu fesseln! Er ist auch kulinarisch von einigem Wert – der Protagonist Xavier Kieffer ist vom Sternekoch zum   bodenständigen Restaurantbetreiber in der Luxemburger Altstadt mutiert und löst zum Zeitvertreib nun Kriminalfälle im Gastromilieu, dies ist sein zweiter Fall. Da die Jungfrau garantiert vor dem Lesen wissen will, wer Tom Hillenbrand ist, hier der Link zu ihm: www.tomhillenbrand.de/   

 

⚪️ Into the Wild (R/B: Jean Penn/ Jon Krakauer, USA 2007)

Findet die Jungfrau fesselnd und lebensklug. ---   Chris MacCandless, Student, 22, reist kreuz und quer durch die USA, bis  er schließlich – ohne Karten und Kompaß und nur mit einem Sack Reis als Notproviant und einem Gewehr – im Denali Nationalpark in einem verlassenen Linienbus überwintert. Die Schneeschmelze schneidet ihm den bekannten Rückweg ab, einen anderen findet er nicht, auch nicht die nur wenige Meilen entfernte Schutzhütte, die mit Nahrungsmitteln ausgestattet war und Rettung gewesen wäre – wenn er sie denn gefunden hätte. Geschwächt durch vergiftete Pflanzen muß er schließlich verhungern. Jon Krakauer ist in seinem Buch den Spuren des jungen Mannes nachgegangen, um vielleicht begreifen zu können, was ihn umtrieb. Jean Penn hat diese Dokumentation ebenso fesselnd wie bewegend umgesetzt. Hilfreich: Vor dem Film das Buch lesen!   

 

🔴 Midnight in Paris (R/B: Woody Allen, USA/ Spain 2011)

Bezaubert die Jungfrau! ---  Ein ganz bezaubernder Zeitsprung ins Paris der Zwanziger Jahre, mitten in eine Partygesellschaft hinein, die zu Ehren Jean Cocteaus zusammengekommen ist: Cole Porter am Klavier, F. Scott Fitzgerald, Jean Cocteau, Josephine Baker, Salavdor Dali, Ernest Hemingway, Luis Buñuel  sind einige der Gäste. Gil, der Protagonist, ist solange fasziniert von der Vergangenheit (er unternimmt noch eine zweite Zeitreise ins Moulin Rouge der Jahrhundertwende), bis er erkennt, daß dies nur eine Flucht vor den Herausforderungen der Gegenwart ist. Wofür wird er sich entscheiden? 

 

🔵 Enigma (R/B: Michael Apted/ Tom Stoppard, GB, USA, D, NL 2001)

Der intelligente Spionagethriller für die Jungfrau. ---   Vorlage für den Film war der gleichnamige Roman von Robert Harris. Schauplatz ist Bletchley Park: Der britische Geheimdienst ist mit der Entschlüsselung der Funksprüche befaßt, die zwischen den deutschen U-Booten im Nordatlantik ausgetauscht werden. Enigma contra Touring. Parallel dazu: die Entdeckung des Massakers von Katyn. 

 

Für die liebenswürdige Waage: 24. September – 23.Oktober

♎️ Die Waage strebt nach Harmonie und Ausgeglichenheit, braucht Menschen, denen sie Freund und Partner sein kann. Streitereien mag sie nicht, kann sie aber gut schlichten – ihr Charme und ihre Überzeugungskraft kommen ihr dabei zugute. Gerne geht sie den Dingen auf den Grund, Halbheiten sind ihr suspekt und mit Oberflächlichkeiten – verbalen oder materiellen - gibt sie sich schon gar nicht zufrieden. Wäre noch zu erwähnen: Ihr Sinn für Blumen und Dekorationen, für Tiere und deren Pflege, für gemütliche Runden mit netten Menschen bei ehrlichem Landwein und Flammekuche (zum Beispiel).

 

Henry James: Die Europäer (The Europeans, 1878)

Mit 32 Jahren wählte der amerikanische Autor  letztlich England als seine endgültige Heimat, und so beleuchtet er auch kenntnisreich und mit feiner Ironie das Verhältnis zwischen Amerikanern (den ausgewanderten Europäern in  Neuengland) und den daheimgebliebenen Europäern im 19. Jahrhundert. Gefühle und Befindlichkeiten der alten und der neuen Welt im (komödiantisch betrachteten) Wettstreit. Das Buch besticht durch seinen Charme - genau das richtige für die Waage. 

 

 Ernest Hemingway: Paris - Ein Fest fürs Leben (A Moveable Feast, postum 1964)

Es ist Hemingways letztes Werk, begonnen 1957, und er berichtet darin über seine Anfänge als Korrespondent und Schriftsteller 1921 bis 1926 in Paris und im Montafon, seine junge Ehe und seine Begegnungen mit anderen Literaten wie James Joyce, Ezra Pound, Scott Fitzgerald, Gertrude Stein.„Wenn du das Glück hattest, als junger Mensch in Paris zu leben, dann trägst du die Stadt für den Rest deines Lebens in dir, wohin du auch gehen magst“, so Hemingway über die vermutlich glücklichste Zeit seines Lebens. Und deshalb mag die Waage genau DIESES Buch von Hemingway. 

 

Richard Sennett: Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität. Fischer 1983.

Sennett geht der Frage nach, was passiert, wenn Konventionen des öffentlichen Diskurses ersetzt werden durch persönliche Betroffenheitsbekundungen: Was geschieht, wenn Psychologie die Politik ersetzt, wenn Ideologien statt Fakten die öffentliche Meinung beherrschen?

Keine Halbheiten, keine Oberflächlichkeiten, sondern Fakten - das ist es, was die gradlinige Waage mag. 

 

⚪️ Die Geisha (R/B: Rob Marshall/ Robin Swicord, USA 2005)

Stilisierte Harmonie, die eine Seite der "Medaille" für die Waage. 1929 wird die neunjährige Chiyo an ein Geisha-Haus in Kyōto verkauft und zur Geisha ausgebildet. Neid und Intrige lernt sie kennen, aber auch   Mitgefühl und Hilfe. Verfilmt nach dem Roman von Arthur Golden. Ein schöner Film mit hervorragender Filmmusik. In Japan und China erntete er viel Kritik, da die Rollen mit chinesischen Schauspielern besetzt wurden.

 

🔴 Alles auf Zucker (R/B: Dani Levy, Deutschland 2004)

Strampeln für Harmonie! Eben – die andere Seite, die unser Sternzeichen genauso liebt! Keiner hatte mit einem solchen Erfolg gerechnet: Über eine Million Zuschauer strömten in die deutschen Kinos! 2005 erhielt der Film des Ernst-Lubitsch-Preis, in der Begründung heißt es: "Die in den deutschen Kinos mit großem Erfolg laufende Komödie um die alltäglichen Sorgen und Nöte eines jüdischen Zockers stellt nach jahrzehntelanger Abstinenz eine Wiederbelebung des deutsch-jüdischen Lustspiels dar, das mit Ernst Lubitsch in den 1910er- und 1920er-Jahren seine Blüte erlebt hatte. Levy persifliert mit spitzem und teilweise turbulentem Witz, der zwischen Slapstick und Zweideutigkeiten changiert, jüdische Traditionen und  menschliche Schwächen und steht damit in bester Tradition Lubitschscher Komödienkunst." (Wikipedia:Alles auf Zucker). 

 

🔵 The Invitation Game - ein streng geheimes Leben (R/B: Morton Tyldum/ Graham Moore, USA, GB 2014)

Ein bedeutendes, aber kein harmonisches Leben – viel Mitgefühl von Seiten der Waage. Alan Turing, hochintelligenter Mathematiker und Informatiker, gelingt es in Bletchley Park , die mit der Enigma codierten Botschaften der deutschen Armee zu entschlüsseln (Turingmaschine). Nicht nur deshalb ist sein Leben "streng geheim": Turing muß seine Homosexualität verbergen. Durch Zufall wird seine Neigung schließlich bekannt, und er muß sich einer menschenunwürdigen und grausamen Hormontherapie unterziehen, will er nicht ins Gefängnis gesteckt werden. Mit 41 Jahren nimmt er sich das Leben, Depressionen waren vermutlich die Folge der Hormontherapie. 2009 entschuldigte sich der damalige britische Premierminister Gordon Brown im Namen der Regierung für die "entsetzliche Behandlung" Turings und  würdigte seine Verdienste im 2.Weltkrieg. Aber erst zum 24.12.2013  konnte Königin Elisabeth II. posthum ein "Royal Pardon" aussprechen.  Turing gehört zu den richtungsweisenden Theoretikern der Informatik. Die  Gedenktafel an seinem Haus lautet: "Alan Turing – 1912 – 1954 , Founder  of Computer science and cryptographer, whose work was key to breaking  the wartime Enigma codes, lived an died here."