KreativWerkstatt

VERÄNDERUNG (Frühjahr 2020), Metamorphose, Wind of Change, CORONA.......


🔸🔹🔸🔹

„Stets findet Überraschung statt, da wo man’s nicht erwartet hat …“

 

Viele Leute mögen Veränderungen nur, wenn’s definitiv besser wird: Ansonsten verhalten sie sich auch gerne faustisch und sagen gerne: Verweile doch!  Auch wenn’s nicht so perfekt ist, so ist es doch wenigstens bequem. Ein Beispiel: Man wünscht sich eine andere Wohnung: Ein Zimmer mehr oder Terrasse mit Garten oder näher an der City. Aber so ein anstrengender Umzug und die damit einhergehenden Veränderungen - das scheut man. Und so findet man immer neue Gründe, warum ein Wechsel nicht möglich ist. Umgekehrt könnte man natürlich auch Lösungen finden, damit ein Wechsel möglich wird … 

Nun ist es aber so, daß die Welt auf die Befindlichkeit des einzelnen leider keine Rücksicht nimmt, und so kommt es, daß sie sich ändert. Ständig. Ein Blick ins Geschichtsbuch zeigt das überdeutlich: Dauernd wandelt sich was, von Rivalitäten zu Bündnissen, von der Hungersnot zum Überfluß, vom Goldenen Zeitalter zu  Seekriegen  - und umgekehrt. Die Menschen, die’s betrifft, werden nicht gefragt. 

Aber man muß ja gar nicht gleich in große Weltgeschehen gehen - Veränderungen finden stets in uns selbst statt.

Wie sagte doch Michel de Montaigne in seinen „Essais“, Ende des 16.Jahrhunderts:

„Ständig gibt es unregelmäßige und unergründliche Veränderungen in uns. Rettiche zum Beispiel fand ich anfangs bekömmlich, dann unbekömmlich, und jetzt bekommen sie mir wieder. Auch bei manch andren Dingen stelle ich fest, dass Geschmack und Magenverträglichkeit sich bei mir wandeln. So bin ich erst von Weiß- auf Rotwein übergegangen, dann von Rot- zurück auf Weißwein.“ *)

Also - wenn schon unser Magen nicht verläßlich gleichbleibend reagiert - warum sollte es dann die Welt tun?

 

Gerdi, Immenstaad, 24.4.20

 

*) Quelle: Hans Stilett: Von der Lust, auf dieser Erde zu leben. Wanderungen durch Montaignes Welt. Die Andere Bibliothek. Berlin 2015. 

🔸🔹🔸🔹

Anregungen zum Spielen, Rätseln, Diskutierenim Familienkreis

kommen von Brigitte aus Berlin (1.5.20) - zum Thema „verändertes Freizeitverhalten“

 

1. Welche drei Bücher würdest Du auf eine einsame  Insel mitnehmen?

2.   Eine gute Fee erfüllt Dir den Wunsch nach einem eigenen Haus. Du darfst Dir das Haus aussuchen und die Gegend, in der es steht, die Architektur bestimmen und es einrichten. Aber unter zwei Bedingungen:

a) Du mußt ein Haustier mitnehmen und Dich darum kümmern! (Was nicht geht: Einen Wellensittich wählen und dann das Fenster weit öffnen ..)

b) Du mußt eine Einliegerwohnung mitbauen und entscheiden, an wen Du sie vermietest bzw. wem Du sie überläßt.

Sag' uns:: Wo steht Dein Haus, wie sieht es aus, wie ist es eingerichtet -  welches Haustier wählst Du? Wer zieht in die Einliegerwohnung ein?

3.  Kreiere ein raffiniertes Rezept mit drei Zutaten! (Öl, Butter, Mehl, Gewürze, Milch   - also die Dinge, die man im Grunde immer zuhause hat, zählen nicht mit).

4.  Wer kann logisch denken? Hier die Aufgabe:

Ein Wanderer kommt an eine Weggabelung und weiß zwei Dinge: Nur ein Weg führt zum Ziel, der andere verliert sich irgendwo.

Eine alte Hexe gibt Auskunft über den richtigen Weg - allerdings lügt sie einmal und darauf spricht sie wieder die Wahrheit, immer abwechselnd. Und Du hast nur EINE Frage!! Wie muß sie lauten, um den richtigen Weg zu finden?

5.  Dein Telefonanbieter muß die Leitungen sanieren. Sechs Wochen wirst Du nicht telefonieren können. Aber Du hast noch EINEN Anruf frei: Wen rufst Du an und warum?

6.  PreisaufgabeDer Preis ist eine Schachtel Pralinen oder eine Flasche Wein oder ein Amazongutschein  oder  …

Aber: Den Preis bekommt nur, wer glaubhaft darlegen kann, daß er der bedauernswerteste Mensch der Runde ist, also der, dem es am schlechtesten ging/ geht. Die anderen sind jeweils die Jury! Sie entscheiden darüber, wer am meisten Mitleid verdient - und damit den Preis.

7. Du planst eine sechswöchige Reise durch die Wüste. Wirst Du wandern oder fahren oder auf dem Kamel reiten? Wen nimmst Du mit? Und welche fünf Gegenstände müssen unbedingt dabei sein? (Neben dem Selbstverständlichen wie Wasser, Nahrung, Karten, Kleidung, Schuhe, Medikamente usw. … ). 

8. Welches Ereignis war die größte Veränderung in Deinem Leben?

9. Kennst Du einen Kanon? Dann studiere ihn in Deinem aktuellen Kreis ein …

10.  Ihr schreibt alle zusammen eine Geschichte: Einer schreibt den ersten Satz ( es können auch mehrere sein) auf, dann geht der Zettel zum nächsten weiter … 

🔸🔹🔸🔹

Veränderungen

Veränderungen begleiten uns durch das gesamte Leben.

 

LOVE IT - CHANGE IT – or LEAVE IT ! Wenn das nur immer so einfach wäre?    

Wir werden geboren, besuchen den Kindergarten - schon die erste einschneidende Veränderung - zum ersten Mal nicht mehr an Mutters Rockzipfel. Es folgt die Einschulung, Grundschule, weiterführende Schule, Ausbildung, erste Auslandsaufenthalte persönlicher oder beruflicher Art. Die ersten Schritte in die Selbständigkeit – immer wieder – Veränderungen – Veränderungen!

Wie oft standen mir Veränderungen bevor, beruflicher Art, durch diverse Chefwechsel. Jedesmal grundlegende Neu-Orientierungen, auf die ich mich immer wieder einlassen und einstellen mußte. Immer wieder die vorherrschende bange und ungewisse Frage: „Ob das wohl gut geht?“

Oh‘, wie tat ich mich anfangs auch computermäßig schwer – ich traute mich fast nicht, eine Taste zu drücken, die Angst davor, alles zu löschen …!!

Bis in meinem Umfeld mal der Satz fiel: „Alles ist schwierig, bevor es leicht wird!“ Diesen Satz  von Saadi, einem persischen Dichter, der von 1210 bis 1292 lebte,  habe ich mir intensiv eingeprägt - und ich hatte noch sehr oft Gelegenheit, ihn mir immer wieder selbst ins Gedächtnis zu rufen! 

Mein Fazit: Das ganze Leben – eine einzige Veränderung und nur durch Veränderungen entwickeln wir uns weiter !

 

Martha Happ, 21.04.2020   

🔸🔹🔸🔹

„Wechsel ist das Los des Lebens …“

Dabei erleben wir doch die aktuelle Situation nicht als Wechsel, sondern als Stillstand!  Man wünscht sich in Präcorona-Zeiten zurück, zum Beispiel mit einer Maschine für Zeitreisen. Man hätte ja jetzt Zeit dazu. 

Die Vorstellung, man besäße eine Uhr, mit der man Tage oder Stunden einstellen könnte, um sie noch einmal zu erleben, ist ohnehin faszinierend. Aber nicht sowas wie „Zurück in die Zukunft“. Es sollte schon präziser funktionieren. Und ein gewisses Design sollte auch gewahrt werden. Also zum Beispiel das Interieur einer typischen Milchbar aus dem Jahre 1959 und die Größe der Eistüten für 10 Pfennig pro Kugel. Wirklich, den Geschmack von dieser im Vergleich zu heute geradezu winzigen Vanillekugel - kleiner als ein Tischtennisball -  habe ich im Gedächtnis (komisch: daß man sich an Geschmackserlebnisse erinnern kann), aber ich würde sie gerne noch einmal live schmecken! 

Gerne würde ich auch noch einmal dem Gefühl nachspüren, als unser Schulchor (neun Jahre im Sopran) „Jauchzet frohlocket, auch preiset die Tage…“ schmetterte. Es war der Abschluß meiner Schulzeit, ich hatte das Abitur in der Tasche und fühlte mich absolut frei, die Welt zu entdecken … 

Und dann: Der Studienabschluß mit Diplom, Skifahren im Grödner Tal, die ultimativ steile Abfahrt durch das Mittagstal, ein riesiges Schokoladenei  Belohnung: Es war Ostern, und ich absolut zufrieden, wunschlos glücklich sozusagen. Denn: Man hatte etwas abgeschlossen, etwas erreicht, ein neuer Abschnitt konnte beginnen. Natürlich gab es auch anstrengende, schwierige Momente.

Auch die gingen vorbei und machten einem neuen, besseren Kapitel Platz.

Leben bedeutet also ständige Veränderung oder, um mit Theodor Fontane zu sprechen: „Wechsel ist das Los des Lebens, und es kommt ein andrer Tag“.

Gäbe es keinen Veränderung, gäbe es keine Entwicklung, also auch nichts Neues. Tröstlich also: Auch dieser Lockdown wird vorübergehen, und es wird ein andrer Tag kommen. Vermutlich nicht so schnell, wie wir alle hoffen - aber er wird kommen.

„Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen“, sagt ein chinesisches Sprichwort.

Ich schau’ mal, wo ich eine Anleitung zum Bauen einer Windmühle finde - vielleicht im grade wieder geöffneten Baumarkt?

Denn die Idee mit den Windmühlen ist doch ganz vielversprechend …

 

© Renée,  Stuttgart, 19.4.2020

🔸🔹🔸🔹

Metamorphose

The Desk 

 

Here I stand, born of an oak,

created by the nimble hands

of a skilled craftsman.

Here I stand

for longer than a century,

I have seen much,

lived in many places,

surviving many generations,

seen them come and go,

they all used my services:

Reclining in chairs,

on my top relaxing their feet,

sometimes with shoes on them,

it displeased me greatly.

Elbows have rested on me too,

Hands supporting aching heads

which contained clever thoughts.

Some of my people were tired and weary:

 

 

 

children doing homework,

leaving stains from tears of frustration,

students practicing procrastination.Letters were written, invitations, congratulations,

bad news too with trembling hands.

I remember love letters

full of passion, a marriage proposal,

Over time symbols of love

have been cut into my skin,

while wine was spilled and left a mark!

Bills were paid with swear words mumbled

that - I truly resented!

In all these years I never wavered or wobbled,

my drawers containing countless things,

they still open and shut.

I stand here, sturdy and strong,

termites never dared!

Remember? I am made of oak!

 

Giselle Braeuel, Kanata/ Ontario, April 2020

🔸🔹🔸🔹


Es gab täglich einen OREO

 

Ich heiße Heinz und habe schrecklich geweint. Eine ganze Reihe von Tagen, damals, 1949, immer nach dem Mittagessen. Ich war gute drei Jahre, und meine Familie hatte aus den USA ein Paket erhalten. Geschickt hatte es Fritz, der Bruder meines Großvaters Alfred. Er lebte seit 1920 in New York und wollte uns in den schweren Nachkriegsjahren, wo es kaum etwas zu essen gab, unterstützen. Dieses Paket barg neben Lebensmitteln wie Mehl, Haferflocken und Dosenwurst einen Schatz in einer braunen Blechdose: einen unvergleichlich süßen, kakaoschwarzen Doppelkeks mit einer weißen Creme als Füllung, einen OREO. Ebendiesen gab mir Mutter nach dem Mittagessen. Immer einen. Er schmeckte einfach unbeschreiblich, so unglaublich fremd und süß. Heute würde ich sagen, ich hätte alles gegessen, wirklich alles, bestimmt auch Spinat, nur um an dieses wunderbare, unbekannte Gebäck  zu kommen.

Doch schlimm genug: eines Tages war die Keksdose bis auf ein paar Krümel leer. Es gab keinen süßen Nachtisch mehr. Wohl nie mehr. Ich bettelte, ich konnte das alles nicht verstehen. Ich weinte bitterlich und wollte nicht einmal mehr mit Pit, meinem Teddy, spielen. Über Tage trauerte ich dem verlorenen Keks nach.

Jahre später, als ich längst diese kleine Kindheits-Episode vergessen hatte und im zünftigen Halbstarkenalter war, erinnerte mich mein Großvater daran. „Du warst so traurig und hast geweint, du wolltest nichts mehr essen, für dich ging eine kleine Welt unter. Drei Tage lang hast du immer wieder nach deinen Oreon gefragt, nach der Dose gesucht, in jeder Ecke. Und dann hat sich auch deine Welt weitergedreht.“

Ich habe meinen Opa Alfred verstanden. Nichts bleibt wie es ist, wollte er mir sagen. Der Wandel gehört zum Leben, das jeden Tag mit Neuigkeiten aufwartet. Und gleichzeitig wunderbare Erinnerungen bereithält, zum Beispiel die an einen unvergleichlichen Geschmack, den ich wohl immer noch auf der Zunge hätte, der mir aber nie wieder begegnet ist.

 

Rolf Scherer, 16.04.2020

 

 Nachbemerkung 1: Der amerikanische National Oreo Cookie Day findet jeweils am 6. März statt. Der Keks wird weltweit von der Nabisco Company vertrieben und erstmals 1912 verkauft. Viele schöne Oreo-Fotos gibt es hier.

➤  Nachbemerkung 2:  Am 21. August 2017 veröffentlichte die Google LLC Version 8.0 des Betriebssystems Android mit dem Beinamen Oreo. Dies stellt nach Android-Version 4.4 KitKat (Schokoriegel mit Waffelfüllung Kitkat) die zweite Kooperation mit einem Hersteller bezüglich eines Markennamens als Beiname für eine Android-Version dar. (beides Quelle Wiki)

🔸🔹🔸🔹

Peter aus Freiburg im April 2020:

Meine Einkaufsliste "normal"  

  • Rucolasalat
  • Cherry-Tomaten
  • Radieschen
  • Grüne Gurke
  • Parmesan
  • Zitronen
  • Kabeljaufilet
  • Eier
  • Kartoffeln
  • Zwiebeln
  • Äpfel
  • Mango
  • Camembert, Feta, Bergkäse, Ziegenrolle 

Unser Mittagstisch "normal"

 

Menu 1 :

Rucolasalat mit Cherry-Tomaten und Parmesanspänen

Kabeljaufilet mit Zitrone und Backkartoffeln

Käseauswahl mit Mango-Chutney 

 Menu 2:

Kartoffelbrei mit Spiegelei und Salat

Käseauswahl mit Mango-Chutney 

 Menu 3:

Gazpacho, Griechischer Salat mit Schafskäse

Apfelsorbet


Corona Torte

Foto mit freundlicher Genehmigung von Wolfgang aus Berlin

 

Meine Einkaufsliste "Corona"

  • 10 x 40 Rollen Toilettenpapier
  • 10 x Packungen Küchenrollen
  • 5 x Einmalhandschuhe
  • 10 (oder mehr) Schachteln Pasta und Spaghetti
  • 10 Kilo Mehl
  • 10 Dosen Weiße Riesenbohnen
  • 10 Dosen Fischkonserven
  • 10 x Dosenwurst  

Unser Mittagstisch "Corona"

 Menu 1:

Vorbestellen in der örtlichen Pizzeria: Pizza quattro stagioni,  Salat, Eiscreme (Lieferservice)

 Menu 2:

Vorbestellen beim örtlichen Restaurant: Wiener Schnitzel, Pommes, Salat, Crême brulée  (muß abgeholt werden)

 Menu 3:

Vorbestellen beim örtlichen Imbiß: Döner, Pommes, Falaffel und Salat (muß abgeholt werden)


🔸🔹🔸🔹

Ich muß noch die Arslans anrufen

 

Der Anruf ist mir wichtig. Es sollte noch heute abend sein. Außerdem ist da noch die Sache mit dem Poroschewski. Alte polnische Kohlendynastie. Der Urgroßvater trug zu Kaisers Zeiten die Kohle in der Kiepe vom Pferdewagen zu den Kunden in den Keller. Vater Poroschewski macht heute immer noch in Kohle, jetzt aber als Händler für Wärme und Energie, Heizöl und verschiedenes mehr. Eine typisch Berliner Karriere. Nur sein Sohn, der Andrej, läuft manchmal etwas aus der Spur. Worüber zu reden sein dürfte. Aber die Arslans sind wichtiger.

Ich krame nach den Telefongroschen, ziehe mir den Anorak an und greife nach dem Regenschirm. Berlin hat aktuell ein ziemliches Sauwetter zu verzeichnen. Aus dem Haus raus und bis zur nächsten Kreuzung sind es keine 200 Meter, kurz durch den Wald und schon bin ich angekommen, an der Telefonzelle. Ein knapper Kilometer. Und Glück gehabt, denn in dem gelben Häuschen steht grad niemand. Jetzt müssen nur noch die Arslans dasein. Aber da bin ich guten Muts, denn Ali, um den es geht, hat mir gesagt, sein Vater kommt immer gegen halb sieben abends von der Arbeit. 

Es wurde ein längeres Gespräch. Denn Herr Arslan verstand nicht gleich, um was es ging. Nämlich daß sein Sohn Ali beim Vorlesen bei mir im Fach Deutsch fast in das Buch hineingekrochen wäre. Er könnte wohl eine Brille gebrauchen, was wiederum seine Nervosität auch ein wenig dämpfen würde. Vater Arslan versprach, sich darum zu kümmern.

Und jetzt noch die Poroschewskis? Es war kurz vor acht. Nein, ich wollte nach Hause. Es war Zeit fürs Abendessen.

Warum ich das alles erzähle? Ganz einfach - weil mein Enkel mich heute Nachmittag fragte, was ein Telefongroschen sei. So habe ich ihm die kleine Geschichte erzählt. Angefügt, daß wir nach dem Umzug aus der City in einen Westberliner Vorort 1985 etwa ein halbes Jahr auf einen Telefonanschluß warten und deshalb die hübschen gelben Häuschen aufsuchen mußten. Die Arbeit sollte ja weitergehen.

Die Begründung für meine abendlichen, berufsbedingten Spaziergänge hätte ich mir eigentlich sparen können. Denn mein dreizehnjähriger Mario schien schwer abgelenkt durch mehrere WhatsApps, die er dringend checken mußte.  Immerhin stellte er mir noch eine Frage, die eigentlich keine Frage war, sondern Ausdruck tiefsten Bedauerns: „Sag mal, Opa, wie seid ihr eigentlich damals klargekommen?“

 

Rolf  Scherer, 28.4.2020

🔸🔹🔸🔹

WECHSEL

❇︎  „Wechsel ist das Los des Lebens, und es kommt ein anderer Tag.“  Theodor Fontane

✯  „Große Veränderungen in unserem Leben können eine Zweite Chance sein.“   Harrison Ford

❇︎  „Für Wunder muß man beten, für Veränderungen aber arbeiten.“  Thomas von Aquin

✯   „Wir mögen die Welt kennenlernen, wie wir wollen, sie wird immer eine Tag- und eine Nachtseite behalten.“   Johann Wolfgang von Goethe

❇︎  „Alles ändert sich.“   Ovid

✯  „Allen Veränderungen haftet etwas Melancholisches an, denn wir lassen einen Teil von uns zurück. Wir müssen in einem Leben sterben, ehe wir ein anderes beginnen können.“   Anatole France

❇︎  „Eine Veränderung bewirkt stets eine weitere Veränderung.“   Niccoló Machiavelli

✯  „Alle wollen die Welt verändern, doch keiner sich selbst.“   Leo Tolstoi

❇︎  „Wenn wir wollen, daß alles bleibt wie es ist, dann muß sich alles verändern.“   Giuseppe Tomasi die Lampedusa

✯  …..

The future's in the air

I can feel it everywhere

Blowing with the wind of change 

…..

(Scorpions)

 

>changing things< by r.g.


►  SMS (21.4.20) von Kai-Jens aus Corona-Hamburg - frei nach Friedrich Hölderin: „Soviel Seife war nie!“ Und er hat gleich noch einen echten Hölderlin zum Thema nachgeladen:  

❇︎   Wenn der Baum zu welken anfängt,

tragen nicht alle seine Blätter

die Farbe des Morgenrots?“

Danke Kai-Jens!

🔸🔹🔸🔹

Der SOMMER:

🔸 "Sommer ist die Zeit, in der es zu heiß ist, um das zu tun, wozu es im Winter zu kalt war." Mark Twain

🔸 "Lieber Freund, was für ein Sommer! Ich denke Sie mir im Zimmer sitzend, mehr Omelette als Mensch." Friedrich Wilhelm Nietzsche

🔸 "Unser Sommer ist nur ein grün angestrichener Winter, sogar die Sonne muß bei uns eine Jacke von Flanell tragen, wenn sie sich nicht erkälten will." Heinrich Heine

🔸 "Der Sommer, der vergeht, ist wie ein Freund, der uns Lebewohl sagt." Victor Hugo


In den Wäldern sind Dinge, über die nachzudenken man jahrelang im Moos liegen könnte. Franz Kafka

Mit der Kamera unterwegs in Wald und Wiese und am Wasser

William Shakespeare: Sonett Nr. 18

 

Shall I compare thee to a summer’s day?

Thou art more lovely and more temperate:

Rough winds do shake the darling buds of May,

And summer’s lease hath all too short a date;

Sometime too hot the eye of heaven shines,

And often is his gold complexion dimm'd;

And every fair from fair sometime declines,

By chance or nature’s changing course untrimm'd;

But thy eternal summer shall not fade,

Nor lose possession of that fair thou ow’st;

Nor shall death brag thou wander’st in his shade,

When in eternal lines to time thou grow’st:

   So long as men can breathe or eyes can see,

   So long lives this, and this gives life to thee.


The Ocean

 

Waves, rolling in, rolling out

Breaking into foamy bubbles

Leaving tiny, precious shells

On cool white sand

They glisten in the hot sun

 

The ocean, turquoise by day

Shining like crystal at night

Under a glorious moon

While palm trees wave

their monstrous hands

 

At sundown the sky unmatched

A palette of rose and orange

Then purple and scarlet

All crowned by a fiery ball

sinking fast into the horizon's silvery band

 

Sometimes winds howl

Blowing salty mists

The sea, rolling in, rolling out

It has many faces

But it's there, forever and ever

 

Giselle Braeuel, Kanata/ Ottawa


From Ray Bradbury’s Novel „Fahrenheit 451“

 

First line: “It was a pleasure to burn.” 

Last line: “ When we reach the city.” 

 

Solstice     

               

 It was a pleasure to burnthe fire logs 

and watch the cinders soothe themselves to sleep,

to listen to a loon’s solitary monologue,

to the whispering of the restless leaves.

Friends and family had come to tuck spring in.

Smoke signals were sent, greetings across the land. 

Faint light over the trees - first day of the season.

I murmured  a wish: “May summer never end.” 

Someone disturbed the harmony that night

when a  gaggle of geese rose up from the dark,

 shrieking, their wings whistling till out of sight.

 One cricket rasped its song by the old barn.

 

Dark clouds are weeping on green country.

Smog veils the sun when we reach the city.

 

by Ella Pankatz, Kanada,  6/’19


Enkaustik Sommer
Zwei Sommergrüße eines Enkaustik-Spezialisten*, der nicht genannt sein möchte
Enkaustik Sommer
WIKI: Die Enkaustik ist eine künstlerische Maltechnik, bei der in Wachs gebundene Farbpigmente heiß auf den Maluntergrund aufgetragen werden.

Sommerzeit-Genüsse (mein Rezept)

Geputzt, gewaschen und in Stücke geschnitten:

  • 2  Zucchini
  • 1  Aubergine
  • 1 gelbe Paprika
  • 1 rote Paprika
  • 1 Gemüsezwiebel
  • 250 g Cherry-Tomaten

Außerdem: 3 -5 Knoblauchzehen (zerdrückt), eine Handvoll frische, kleingehackte Kräuter (Basilikum, Thymian, Rosmarin, Salbei), Olivenöl, Pfeffer, Salz, Rindfleischbrühe, Tomatenmark.

Zubereitung

In einer großen Pfanne in wenig Öl nacheinander anbraten und nur bißfest garen: Zucchini, Paprika und Aubergine.

Das gebratene Gemüse jeweils in eine Schüssel geben.

Dann: Gemüsezwiebel scharf anbraten und zusammen mit Tomaten, Kräutern, Tomatenmark und Rindfleischbrühe etwa 10 Minuten schmoren, über das restliche Gemüse geben und mit Pfeffer und evtl. Salz abschmecken.

Das Ratatouille kann vorsichtig wieder aufgewärmt werden (nicht kochen lassen, es muß bißfest bleiben), aber auch kalt gegessen werden. Es eignet sich nicht zum Einfrieren, aber aus einem Rest kann zusammen mit  Salatgurke und/oder Tomatensaft eine Gemüsesuppe werden.


Guter Rat 

Theodor Fontane

 

An einem Sommermorgen 

da nimm den Wanderstab,

es fallen deine Sorgen 

wie Nebel von dir ab.

 

Des Himmels heitre Bläue 

lacht dir ins Herz hinein

und schließt, wie Gottes Treue,

mit seinem Dach dich ein.

 

Rings Blüten nur und Triebe

und Halme von Segen schwer,

dir ist, als zöge die Liebe

des Weges nebenher.

 

So heimisch alles klingt

als wie im Vaterhaus,

und über die Lerchen schwingt

die Seele sich hinaus. 


🔸🔹🔸🔹

Frühling

Primus Tempus - SPRINGTIME -

Primavera - atspere - KEVÄT - haru - 

Zum Thema Frühling bekam meine Website viele Zuschriften: Gedichte, Bilder, Fotos, Kommentare, Wünsche.....

Ein herzliches Dankeschön an Martha und Giselle, Rüdiger und Brigitte, Birgit und Jens-Uwe, Margret und Nadine, Petra und  René, Claudia und Wolfgang

Und hier kommt jetzt der bunte Strauß!

 

 🍀 🌸 🌷 🌺

 

Wenn der Baum sich rosa kleidet

Schnee das Feld ums Grün beneidet,

Wenn man Kalorien zählt

Und den Körper fitter stählt -

Dann, ja dann ist es soweit:

Sie ist da, die FRÜHLINGSZEIT!

Brigitte (homemade)


Osterspaziergang

 

„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche

durch des Frühlings holden, belebenden Blick.

Im Tale grünet Hoffnungsglück.

Der alte Winter in seiner Schwäche

zog sich in rauhe Berge zurück.

Von dorther sendet er, fliehend, nur

ohnmächtige Schauer körnigen Eises

in Streifen über die grünende Flur.

Aber die Sonne duldet kein Weisses.

Überall regt sich Bildung und Streben,

alles will sie mit Farbe beleben.

Doch an Blumen fehlt’s im Revier.

Sie nimmt geputzte Menschen dafür.“

 

Johann Wolfgang von Goethe, Faust 1, 1808

 

ausgesucht von Rüdiger Gmelin, Illertissen

Frühlingsglaube



 

Die linden Lüfte sind erwacht,


sie säuseln und wehen Tag und Nacht,


sie schaffen an allen Enden.


O frischer Duft, o neuer Klang!


Nun, armes Herze, sei nicht bang!


Nun muß sich alles, alles wenden.



 

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,


man weiß nicht, was noch werden mag,


das Blühen will nicht enden.


Es blüht das fernste, tiefste Tal:


nun, armes Herz, vergiß der Qual!


Nun muß sich alles, alles wenden!

 

Ludwig Uhland (1787 - 1862)

 

ausgesucht von Jens-Uwe, Hamburg


Claudia grüßt von der Marmolata (Südtirol) mit Slalomschwung

zitronengelb

Schmetterling hier und da

kitzelt auf der Nase

habs fast nicht gespürt

Leichtigkeit

 

von Petra aus Immenstaad

Rüdiger grüßt mit einem eigens gemalten Encaustic-Bild


"Das Schöne am Frühling ist, daß er immer dann kommt, wenn man ihn am dringendsten braucht."

 Jean Paul, ausgesucht von Birgit

 

Lob des Frühlings: 

Sommer ist die Zeit, in der es zu heiß ist, um das zu tun, wozu es im Winter zu kalt war.

Mark Twain, gefunden von (wie immer very sophisticated) Wolfgang ("Wolle") aus Berlin

 

Frühling ist eine echte Auferstehung, ein Stück Unsterblichkeit. 

Henry David Thoreau  

 

Prin-temps - ce sont les Poèmes de la Nature

Nadine de Kaysersberg 

Der Frühling ist die Zeit der Pläne, der Vorsätze. 


Leo N. Tolstoi

Childhood Memory:

Did you ever see in bloom a chestnut tree?

 

How I loved this avenue

Lined with trees

In the spring all ablaze

With tall white candles

Fragrant and buzzing with bees

 

And after the summer faded

The street in the morning strewn

With prickly, light-green fruits

Some sprung open in the fall

Revealing a miracle:

 

Bulbs, reddish brown

Gleaming like jewels

Which were eagerly gathered

And worn as a necklace

By a proud little girl

 

Gisela Braeuel, Kanata/ Ottawa


Frühling würde fürs ganze Jahr reichen ... (sagt Renè)

Photo by Matias Dubini on Unsplash

 

KNIESTRÜMPFE

 

Endlich Frühling – ich denke, das geht doch den meisten Menschen durch den Kopf beim ersten Sonnenstrahl! Und inständig hofft man „bloß nicht doch noch ein kurzer Wintereinbruch hinterher!“ Wenn man durch den Vorgarten streift, sich die ersten Knospen zeigen, die ersten Frühlingsblüher öffnen sich  – das ist doch Lebens-Motivation pur! 

Unwillkürlich denke ich dabei immer schmunzelnd zurück an meine Kinderzeit: Mit den ersten Sonnenstrahlen kam regelmäßig die Frage an meine Mutter: „Jetzt darf ich wieder Kniestrümpfe tragen?“ (Die entsetzlich unbeliebten, kratzigen langen Strümpfe waren ja soooo lästig). Und sofort wurde gleich hinterhergeschoben: “Alle anderen tragen schon Kniestrümpfe – nur ich nicht!“ Was überhaupt nicht stimmte!!! 

Und wie in jedem Jahr die Antwort erstmal: „Viel zu früh, noch viel zu kalt!“

Also: Sich fügen und abwarten ! Wie ist das heute dagegen doch unkompliziert!

 

erinnert sich Martha aus Immenstaad


Wenn die Spargelspitzen blitzen,

Und sich auf den Mauerritzen

Eidechs’ nach der Sonne giert,

Mensch  mit Eis am Stil flaniert-

Dann ist's garantiert soweit

mit der lauen Frühlingszeit!

 

Brigitte 1.2 (auch homecooked)

 

 🍀🌸🌷

 

“Bergwerke, Spargel, Kartoffeln und alte Adelsgeschlechter haben eins gemeinsam: das beste von ihnen ruht unter der Erde."

Vic Hammond (Drehbuch-Autor)

Für alle

die’s noch nicht gemerkt haben

 

Wenn der Gast den Spargel ordert

Weißwein satt dazu noch fordert

Wenn die Hausfrau über Nacht

Blitzeblank und saubermacht

Wenn der Hans die wilde Grete

Fröhlich hetzt quer über Beete

Und sie einen Kuß ihm schenkt

Sich dabei nicht mal was denkt

Wenn Täuberich und die Frau Taube

Endlos gurren auf der Laube

Also ja - dann ists soweit

Sie ist da, die Frühlingszeit!

 

so bemerkt von Rolf


🔸🔹🔸🔹

Download
Literarische Post
Viele schöne Gedichte und selbstgemalte Bilder aus Canada von Giselle Braeuel und Ella Pankatz
LitPostCanada1.pdf
Adobe Acrobat Dokument 1.8 MB

🔸🔹🔸🔹

Autumnal Fly Agaric Poetry Slam Session

Fliegenpilze
Foto RS - in Bezaus Höhen ...

FLIEGEN-PILZ

Schau‘ mal dort am Waldessaum

Ein Fliegenbaum, man glaubt es kaum.

„Nein, nein, es heißt doch FliegenPILZ!“

„Na gut, wenn Du‘s so willz

- vielleicht ist‘s recht!“

(Fliegenstrauch wär‘ auch nicht schlecht?)

Wobei: Die Pilze seh‘ ich in der Nummer,

Allein: die Fliege macht mir Kummer ...

Man schaue, was der Pilz so sage,

Warum er Flugobjekte trage ...

gerdi , 10/ 2018

Der Fliegenpilz

Als Fliegenpilz ist er bekannt

Warum wohl wird er so genannt

Hübsch sitzt er da auf des Waldes Flur

Man fragt, was denkt sich Mutter Natur

Weisse Punkte auf brilliantem Rot

Verzehrst du ihn dann bist du tot

Es weiss doch jedermann

Finger weg, man fasst ihn nicht an 

Doch wird man nicht müd' ihn anzusehn

denn er ist so WUN-DER-SCHÖN! 

Giselle, Oktober 2018

 

FLIEGENPILS

Ein Fliegenpilz ist ein Pilz

So Gott wills

Doch wenn man ihn mit „s“ würd schreiben 

Und flüssig müsst er auch schon sein

Man könnte ihm die Farb austreiben 

und schäumen sollt er auch ganz fein 

Dann würde ich das Pils schon trinken 

Vorab entgiftet müsst es sein.

 Rolf, 10/ 2018


🔸🔹🔸🔹