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„Omnia mutantur, nihil interit"  … alles wandelt sich, nichts geht unter …

liest man in der Rede des Pythagoras, geschrieben von Ovid in seinen „Metamorphosen“, entstanden zwischen 15 v.Chr. und 17 n. Chr. . 

Was vielleicht soviel bedeutet, wie: Nichts geht verloren, sondern tritt in veränderter Gestalt wieder auf. Also sowas wie der Energieerhaltungssatz in der Physik, übertragen auf die Philosophie?

Immerhin: Ovids Aphorismus selbst hat sich als Erkenntnis durch die Jahrhunderte gerettet und tritt in vielerlei Gestalt immer mal wieder auf:

 

So dichtete Goethe - in Anlehnung auch an die Flußlehre von Heraklit:

Dauer und Wechsel

Gleich mit jedem Regengusse

Ändert sich dein holdes Tal

Ach, und in dem selben Flusse

Schwimmst du nicht zum zweitenmal.

 

 Bei Giuseppe Tomasi di Lampedusa in seinem  Roman „Il Gattopardo“ liest man: 

„Wenn wir wollen, daß alles bleibt wie es ist, dann muß sich alles verändern.“

 

 Und Anatole France geht der Frage nach, was solch’ eine Verwandlung im Grund bedeutet:

„Allen Veränderungen haftet etwas Melancholisches an, denn wir lassen einen Teil von uns zurück. Wir müssen in einem Leben sterben, ehe wir ein anderes beginnen können.“

 

 Harrison Ford schließlich befand:

„Große Veränderungen in unserem Leben können eine Zweite Chance sein.“

 

Was unseren Freunden so alles zum Thema „Veränderung“ eingefallen ist, liest man ganz aktuell im Kapitel

KreativWerkstatt

Wer mir schreibt, bekommt die vollständige Antwort per eMail. 

Zu reger Teilnahme laden wir herzlich ein.


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Zeit fürs Lesen

Stehpult

12 Buchempfehlungen von 8 Bücherfreunden für etwas längere Lesenachmittage oder ganze Nächte, thematisch anknüpfend an aktuelle und klimatische Gegebenheiten und Ideen für kulinarische Ausflüge 

Um vergleichen zu können: die Seitenzahlen beziehen sich auf die gebundenen Ausgaben der angegebenen Verlage 

 

🔹 Nigel Slater: Tender|Obst : Vom Apfel bis zur Weintraube

608 Seiten  (DuMont)

Anbau, Pflege, Varietäten und Rezepte für 23 Obstsorten. Nigel Slater ist einer der bekanntesten Food-Journalisten der Welt - und man staunt über seine raffinierten Rezepte, mit denen er zurück zum Wesentlichen kommt. Die Fotografien von Jonathan Lovekin machen zusätzlich Appetit und motivieren zum Kochen! Gerade das richtige Buch für Frühling und Sommer und genug Zeit, in der Küche kreativ zu werden.

 

🔸 Rebecca Makkai: Die Optimisten

624 Seiten (Eisele Verlag)

1983 wurde das HIV-Virus entdeckt. Bis Ende 2018 starben rund 32 Millionen Menschen an dieser Krankheit (Angaben der UN). Der Roman von Rebecca Makkai umfaßt eine Zeitspanne zwischen 1985 und 2015 - und erzählt einfühlsam Geschichten von Menschen, die betroffen waren und sind. Ein Zitat von F.Scott Fitzgerald aus My Generation ist dem Roman vorangestellt:

„Wir waren die großen Optimisten.

Nie war jemand meinem Herzen näher als diejenigen, die den ersten Frühling spürten, als auch ich es tat, und dem Tod ins Gesicht sahen und verschont wurden - und die nun durch den langen, stürmischen Sommer ziehen.“ 

"Sehr liebevoll und schön geschrieben, “ sagt Elke Heidenreich. Sie hat das Buch soeben auch im Schweizer Literaturclub empfohlen.

 

🔹 Frederick Forsyth: Die Faust Gottes

638 Seiten (C.Bertelsmann)

Forsythe, geb. 1938,  war mit 19 der jüngste Pilot der Royal Air Force, war Korrespondent der Agentur Reuters und Reporter der BBC. Seine Bücher wurden bisher weltweit 70 Millionen Mal verkauft. 

In diesem Roman geht es um die Hintergründe des Golfkrieges 1990/91. Wie immer bei Forsyth: Ein Stück exakt recherchierte Weltgeschichte, dargestellt an einer packenden fiktiven Handlung.

 

🔸 Ian Kershaw: Achterbahn: Europa 1950 bis heute

832 Seiten (DVA)

Originaltitel bei Penguin: „Roller-Coaster, Europe, 1950-2017“

Eine lange Friedenszeit ist Europa nach den beiden Weltkriegen beschieden - aber sie war und ist nicht ohne Krisen und Ein- und Umbrüche. Ebenso wie in „Höllenfahrt“ bestens analysiert und meisterhaft geschrieben - auch für die, die historisch nicht so sehr versiert sind, gut zu verstehen und ein absoluter Gewinn.

 

🔹 Michel de Montaigne und Hans Stilett: Essais - Erste moderne Gesamtübersetzung

576 Seiten (Die Andere Bibliothek)

Im Jahre 1571 zog sich der Gerichtsrat Montaigne in seine „Boutique arrière“ zurück, in sein Hinterstübchen, wie Hans Stilett übersetzt. Gemeint ist damit der Turm auf Schloß Montaigne im Périgord. (Man kann Schloß mit Turm übrigens besichtigen.) Dort entstand der wesentliche Teil seiner Essais.

Stefan Zweig hat über Montaigne geschrieben, Sarah Bakewell hat seine Essais höchst klug interpretiert, Hans Stilett hat sie schließlich nicht nur kommentiert, sondern neu übersetzt. Nämlich so, daß man nun endlich Montaignes Essais auch auf Deutsch mit großem Genuß und Gewinn lesen kann. Die Gedanken und Erkenntnisse sind zeitlos, nicht wenige Dichter, Philosophen, Autoren wurden und werden von Montaigne inspiriert.

 

🔸 Rolf Hosfeld: Heinrich Heine - Die Erfindung des europäischen Intellektuellen - Biographie

512 Seiten (Siedler Verlag)

Die Biographie des Journalisten Hosfeld zeigt  Heinrich Heine (der sich selbst als „entlaufenen Romantiker“ bezeichnete) als kritischen Seismographen seiner Zeit und  als einen der ersten Europäer:  Zwischen Nationalismus und Populismus, Restauration und Biedermeier erleben wir einen Schriftsteller, der mit den landläufigen (und oftmals irreführenden) Vorstellungen von dieser Epoche gründlich aufräumt. 

Heines Verse aus „Deutschland- Ein Wintermärchen“ sind grade wieder sehr aktuell:

„…Sie sang das alte Entsagungslied

Das Eiapopeia vom Himmel,

Womit man einlullt, wenn es greint,

Das Volk, den großen Lümmel.

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,

Ich kenn auch die Herren Verfasser;

Ich weiß, sie tranken heimlich Wein

Und predigten öffentlich Wasser….“

 

🔹 Ansgar Graw: Die Grünen an der Macht - eine kritische Bilanz

304 Seiten (FinanzBuch Verlag)

Ansgar Graw ist ein ausgewiesener Kenner der politischen Bühne. Er arbeitet mit Fakten und verwischt keine Argumentationsebenen. Vom Wunschdenken befreit, ideologisch entkernt, steht die Grüne Bewegung/ Partei für geringe Politikfähigkeit. Auch stellt sich die Frage nach Empathie und sozialer Verantwortung für die ganze Gesellschaft! Unbedingt lesen! Aus aktuellem Anlaß!

 

🔸 Giovanni Boccaccio, Peter Brockmeier (Hg, Übersetzer) : Das Decameron. Mit Holzschnitten der venezianischen Ausgabe von 1492

1070 Seiten (Reclam)

Man schreibt das Jahr 1348. Die Pest wütet in Florenz. Zehn junge Leute - sieben Frauen und drei Männer - fliehen aus der Stadt nach Fiesole in das Landhaus eines jungen Adligen. Um sich die Zeit zu vertreiben, erzählt jeder jeden Abend eine Geschichte. 100 Geschichten, die das gesamte Kaleidoskop des menschlichen Kosmos und seiner unterschiedlichen Spielarten umfassen, sind es also nach zehn Tagen. Die Novellensammlung inspirierte die Weltliteratur: So beispielsweise Goethe zu Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter, wie auch Geoffrey Chaucer zu seinen Canterbury Tales oder Honoré de Balzac zu seinen Tolldreisten Geschichten, Motive und Personen variierten u.a.Shakespeare, Swift und beispielsweise Lessing im Nathan.

Geschrieben hat Boccaccio sein „Zehn-Tage-Werk“ vermutlich zwischen 1349 und 1353. Die moderne Übersetzung von Peter Brockmeier aus dem Jahre 2012 ist leichtfüßig zu lesen, das Nachwort von ihm sehr informativ! Empfohlen wurde die Lektüre übrigens auch von Montaigne in seinem Essai „Über Bücher“.

 

🔹 Thomas Mann: Der Zauberberg

1008 Seiten  (Fischer)

Im Sommer 1907 reist  der Ingenieur Hans Castorp, 23 Jahre alt, Sohn einer Kaufmannsfamilie, nach Davos, um seinen lungenkranken Vetter im Sanatorium zu besuchen. Aus den geplanten drei Wochen Aufenthalt werden sieben Jahre. Mit  Ausbruch des 1.Weltkrieges wird Hans Castorp den „Zauberberg“ - Synonym für eine artifizielle, abgeschlossene Welt und  Spiegelbild für die geistige Situation Europas vor 1914 - verlassen und sich an die Front melden, kehrt somit ins reale Leben zurück.

Das Sanatorium ist Schauplatz unterschiedlicher Schicksale, Treffpunkt repräsentativer Charaktere und bietet reichlich Zeit und den passenden Raum für die gründliche Erörterung existenzieller und philosophischer Fragen sowie die ausführliche Darstellung konkurrierender Ideologien und Zukunftsentwürfe.

 

🔸 Ian Kershaw: Höllensturz. Europa 1914 bis 1949

768 Seiten (DVA)

Originaltitel bei Penguin: „To Hell and Back, Europe 1914-1949“

Die Geschichte Europas in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, geprägt von zwei Weltkriegen, von Völkermord, aggressivem Nationalismus, von menschenverachtenden Diktaturen, von Antisemitismus, Greueltaten der Nazis  und unfaßbarem menschlichem Leid: ein „Höllensturz“ bis an den Rand der Selbstzerstörung eines Kontinents.

Ian Kershaw, der britische Historiker, hat mit diesem Sachbuch ein „faszinierendes und außerordentlich erhellendes Geschichtspanorama Europas“ geschrieben (Klappentext Pantheon). Man lernt, den Wert eines einigen Europas zu schätzen.

 

🔹 Eva-Gesine Baur: Einsame Klasse: Das Leben der Marlene Dietrich

576 Seiten (C.H.Beck)

Marlene Dietrich wurde 1901 in Berlin-Schöneberg geboren und starb 1992 in Paris. Eva-Gesine Baur schreibt die außerordentlich einfühlsame Biografie einer absoluten Ausnahmekünstlerin, einer sehr disziplinierten und fürsorgenden Frau und einer Persönlichkeit, die sich nicht vereinnahmen und verorten läßt.  Bestens recherchiert und im Kontext mit den politischen und kulturellen Entwicklungen des letzten Jahrhunderts dargestellt: Gleichzeitig ein Geschichtsbuch der anderen Art.

 

🔸 Culina Asia

768 Seiten (h.f.ullmann)

Und noch ein Kochbuch. Kulinarische Reisen durch Thailand, Indien und China und deren Regionen erwarten den lesenden Koch/ kochenden Leser.  Zudem aussagekräftige Fotos, die das Fernweh wecken und nützliche Informationen zu landestypischen Spezialitäten und Besonderheiten, regionalen Gemüsesorten und Gewürzen, spezielle Zubereitungsarten und detaillierte, teilweise bebilderte  Kochanleitungen bieten. Und natürlich: Eine Fülle von Rezepten, man sollte sie mal zählen … 

Achtung: Das Buch wiegt 4,5 kg! Es lohnt sich, über die Anschaffung eines Stehpultes nachzudenken. Wäre auch für Montaigne zu verwenden …

Außerdem kann man es offenbar nur noch antiquarisch kaufen - aber für Gemüsefreaks und Fans der asiatischen Küche jenseits der aktuellen „Bowls“ einfach ein „Must have“!

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Schöne Bilder ➼ ➼


➽  Fotoausstellung IDEEN & EXPERIMENTE von Rolf und Gerdi Scherer | März bis Juni 2017 im Rathaus Immenstaad |  alle Bilder

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☛ ☛ ☛ Der Literatur-Workshop ist mit seinen lesenswerten Rezensionen der Jahre 2017 bis 2019 ins Archiv umgezogen. Dort finden sich auch die „Tipps zum Schreiben“