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Warum Paris?

Versuch der Annäherung an einen Mythos
 - von Gerdi Scherer

 

Birgit, meine Bücherfreundin, machte mich auf Hemingways „Paris - ein Fest fürs Leben“ aufmerksam. Und sie sagte dazu:  „Während meiner ganzen Schulzeit wollte ich immer nach Paris - ich weiß heute immer noch nicht, warum …“

Paris ist ein Mythos. Ist als Metropole Frankreichs präsent und hat gleichzeitig für viele  - nicht nur junge Menschen - eine darüber hinausgehende  sinnstiftende Bedeutung. Die folgenden „Kultursplitter“ könnten eine erste Antwort auf Birgits Frage geben - weitere könnten gefunden werden… 

Paris Eiffelturm

🔹 Michal Curtiz’ Film „Casablanca“, in dem mittlerweile fast jeder Satz zum Zitat geworden ist, endet mit einem edelmütigen Verzicht, der manchem auch nach mehrmaligem Anschauen immer noch die Tränen in die Augen treibt: Nebel, Nacht,  ein Rollfeld, und Rick sagt zu Ilsa: „… uns bleibt immer noch Paris…“ . so ritterlich, die Entsagung zugunsten eines definitiv moralisch höheren Ziels! 

🔹 Bei Ernest Hemingway findet sich folgender Satz:
"Wenn du das Glück hattest, als junger Mensch in Paris zu leben, dann trägst du die Stadt für den Rest deines Lebens in dir, wohin du auch gehen magst.“

🔹 Frank Sinatra mit seinem Song:

„I love Paris in the springtime 

I love Paris in the fall 

I love Paris in the winter when it drizzles 

I love Paris in the summer when it sizzles …“

🔹 Stefan Zweig schreibt in seinem Buch „Die Welt von gestern“ über „Paris, die Stadt der ewigen Jugend: 

„Ich kannte diese unerschöpfliche Stadt nur flüchtig … und wußte, daß, wer als junger Mensch ein Jahr dort gelebt, eine unvergleichliche Glückserinnerung durch sein ganzes Leben mitträgt.“ 

Buchauswahl zum Thema:  Mythos Paris

Ernest Hemingway: Paris - Ein Fest fürs Leben |  Rowohlt 2012

 Stefan Zweig: Die Welt von gestern - Erinnerungen eines Europäers  - Anaconda Verlag 2013.

Geschrieben in Brasilien, in der Emigration, 1939-41, wird in diesen Memoiren die geistige Heimat beschworen, die durch zwei Weltkriege und die Naziherrschaft  verloren ging.

➤ E.T.A. Hoffmann: Das Fräulein von Scuderi - Reclam 2015.

Die erste deutsche Kriminalgeschichte - eine Novelle -  spielt in Paris des 17. Jahrhunderts zur Zeit Ludwig IV.

➤ Molière: Der eingebildete Kranke - Suhrkamp 2011.

Das „Spiel mit dem Tod“, die letzte und berühmteste Komödie Molières, wurde 1673 uraufgeführt. Molière spielte den Titelhelden.

➤ Raymond Queneau: Zazie in der Metro - Suhrkamp 2003.

Ein junges Mädchen erkundet Paris - komisch, rasant, mitreißend, lebensfröhlich erzählt!

➤ Patrick Süskind: Das Parfum - Diogenes 1994.

Paris im 18. Jahrhundert. Eine Kriminalgeschichte in einer betörenden und verstörenden Welt der Gerüche.

➤ Joseph Roth: Die Legende vom heiligen Trinker - dtv 2004.

Die Geschichte eines Alkoholikers, der in Paris unter den Brücken lebt und nach einem wahrhaften Leben sucht.

➤ Erich Maria Remarque: Arc de Triomphe - KIWI 2017.

Ein Emigrant in Paris am Vorabend des Zweiten Weltkriegs.

Paris! FILMAUSWAHL:


Kinder des Olymp (1945)  - Marcel Carné

Ein süßer Fratz (1956)  - Stanley Donen

Außer Atem (1960)  - Jean Luc Godard

Charade (1963) - Stanley Donen

Das Mädchen Irma La Douce (1963)  - Billy Wilder

Belle de Jour (1967)  - Luis Buñuel

Die letzte Metro (1980)  - François Truffaut

Diva (1981)  - Jean-Jacques Beineix

Marie Antoinette (2006) - Sofia Coppola

Ratatouille (2007) - Bird/ Pinkava 

La Vie en Rose  (2007) - Marion Cotillard

Midnight in Paris (2011)  - Woody Allen

Ziemlich beste Freunde (2011) - Nakache/ Toledano


  1. Good Night, and Good Luck (2005): zur Auseinandersetzung mit der McCarthy-Ära in den 50er Jahren in den USA. Die Geschichte des mutigen Journalisten Edward R. Murrow im Kampf gegen die US-Administration.
  2. Diplomatie (2014): Wie Paris im Zweiten Weltkrieg seiner Zerstörung durch die Deutschen Truppen entgehen konnte. Eine Charakterstudie zweier Diplomaten.
  3. Café Society (2016): Wieder eine Komödie von Woody Allen: eine Liebesgeschichte im Hollywood der Dreißiger Jahre. Grandiose Villen und Limousinen, glanzvolle Partys. Dazu New-Yorker Gangstermilieu und Nachtclub-Athmosphäre. Erzählt mit Tempo und dem für Allen üblichen Augenzwinkern.
  4. Tin Cup (1996): eine turbulente Golfrunde, Kevin Costner in Höchstform und die Meisterung eines unmöglichen Schlages, tolle Musik. René Russo gefällt es auch!
  5. Willkommen bei den Scht'is (2008): Sonnenverwöhnter Südfranzose muß im „hohen Norden“, in der Bretagne bei den Scht’is, ein Postamt leiden. Quelle Maleur?! Attacke auf die Lachmuskeln.
  6. Manche mögen’s heiß (Some like it hot - 1959): Lieblingsspruch von Billy Wilder: Du darfst nicht langweilen! Absolut überzeugend gelungen! Ein Genuß! Viele sagen: seine beste Komödie.
  7. Die 12 Geschworenen (2005): Ein ungemein packendes Kammerspiel, Debutfilm von Sidney Lumet. Und bis heute bei Soziologen und Psychologen ein Musterbeispiel zur Anschauung von Rollenverhalten, Gruppenverhalten und gruppendynamischen Prozessen (Wiki)
  8. Into the Wild (2007): ein junger Student will in Alaskas Wildnis zu sich selbst finden und kämpft in der unwirtlichen Natur einen aussichtslosen Kampf.
  9. Verstehen Sie die Béliers? (2014): Eine gehörlose Familie ist im Alltag auf ihre hörende Tochter angewiesen, woraus sich diverse Problemlagen ergeben, die immer wieder mit Empathie und Charme gelöst werden.
  10. Django unchained (2012): Quentin Tarantinos Western steht in einer Reihe von Vorgängern (z.B. Sergio Corbuccis Django aus 1966). Eine Geschichte der Sklaverei im tiefen Süden der USA um 1850 und die eines ehemaligen Sklaven (Django) auf der Suche nach seiner von ihm gewaltsam getrennten Frau. 

Und zum genaueren Nachlesen - Regie, Drehbuch, Inhalt - empfiehlt sich weiter hinten auf dieser Website das Kapitel Sterne, Bücher, Filme

➼  Schöne Bilder ➼ ➼ ➼


▪︎ Fotoausstellung IDEEN & EXPERIMENTE von Rolf und Gerdi Scherer | März bis Juni 2017 im Rathaus Immenstaad |  alle Bilder

☛ ☛ ☛ Der Literatur-Workshop ist mit seinen lesenswerten Rezensionen der Jahre 2017 bis 2019 ins Archiv umgezogen. Dort finden sich auch die „Tipps zum Schreiben“